Wirtschaft : Trotz Aufschwung streicht Wirtschaft bis zu 100.000 Stellen

DIHK sieht zwei Prozent Wachstum, doch Euro-Kurs wird zur Belastung

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Berlin (brö). Die Wirtschaft in Deutschland sieht ihre Zukunft so optimistisch wie seit Jahren nicht mehr. Ein Drittel der Unternehmen rechnet mit besseren Geschäften als noch im Vorjahr, ergab eine Umfrage, die der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) am Dienstag in Berlin vorstellte. „Für 2004 halten wir ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von bis zu zwei Prozent für möglich“, sagte Martin Wansleben, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes. Allerdings werde der Aufschwung nicht zu neuen Arbeitsplätzen führen – nur eines von zehn Unternehmen plant zusätzliche Einstellungen, drei von zehn dagegen wollen weitere Entlassungen vornehmen.

Angetrieben werde die Konjunktur-Erholung vom Export, sagte Wansleben. 42 Prozent der Industriebetriebe gingen von höheren Ausfuhren aus – Ursache sei die Dynamik in Amerika und Asien. Allerdings wirke der Verfall des Dollar gegenüber dem Euro bremsend. Auch auf die Investitionen im Inland wirke sich die starke Nachfrage aus dem Ausland nicht aus, befand Wansleben. „Die Nachfrage nach Investitionen ist kein Motor der Konjunktur, und die Wachstumsschwäche bleibt bestehen“, urteilte er.

Keine Impulse aus dem Inland

Der Euro, der in den vergangenen zwei Jahren nahezu ein Drittel an Wert gewonnen hat, legte auch am Dienstag weiter zu. Am Abend wurde er mit 1,2834 Dollar gehandelt, das waren 0,6 Prozent mehr als am Vortag. Ursache war eine Rede von Jean-Claude Trichet, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), welche die Finanzmärkte in der Ansicht bestärkte, dass die europäische Notenbank in naher Zukunft nichts gegen die Währungsturbulenzen unternehmen werde.

Diese Sorge spiegelt sich auch im Februar- Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim wider: Er sank von 72,9 auf 69,9 Punkte – das war der zweite Rückgang in Folge. Der ZEW-Index gilt als wichtiger Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung, ermittelt wird er durch die Befragung von 308 Anlage- Profis und Analysten. Die Euro-Aufwertung und die Angst, dass die jüngsten Wirtschaftsreformen wieder verwässert werden könnten, seien der Grund für den gestiegenen Pessismismus, sagte ZEW-Präsident und Mitglied im Rat der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz. Allerdings wurde die aktuelle Wirtschaftslage von den Fachleuten besser beurteilt – im Januar hielten 78,2 Prozent die Situation noch für schlecht, nun sind es 72,2 Prozent. Die Börsen reagierten auf die Zahlen mit leichten Kursverlusten. Der Deutsche Aktienindex Dax machte diesen Rückgang vom Morgen aber wieder wett und verzeichnete bei Handelsschluss ein Plus von 0,6 Prozent auf 4095,86 Punkte.

Unterdessen hat sich die Lebenshaltung in Deutschland erstmals seit Monaten wieder deutlich verteuert. Im Januar seien die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,2 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Schuld daran sei insbesondere die Gesundheitsreform gewesen – ohne die höheren Zuzahlungen hätte das Plus nur bei 0,6 Prozent gelegen, hieß es.

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