Wirtschaft : Trotz des Ausstiegs von Vorstandschef Heibel soll die Gruppe nicht zerschlagen werden

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Bei der Berliner Elektro Holding (BEH) steht nach dem überraschenden Ausscheiden von Vorstandschef Reinhold Heibel kein Kurswechsel an. Die Unternehmensgruppe werde an der von Heibel eingeschlagenen Strategie der Konzentration auf Kerngeschäftsfelder festhalten, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Ähnlich äußerte sich auch der größte Einzelaktionär, die Familie des Firmengründers Manfred Bernau: "Wir werden die Vorschläge des neuen Vorstandes kooperativ begleiten", sagte Max Bernau, der als Sohn des Firmengründers die Interessen der Familie vertritt, dem Tagesspiegel. Zu weiteren Spekulationen bis hin zu einer Zerschlagung der Gruppe gebe es derzeit "keinen Anlass". Die Familie Bernau hält gut 25 Prozent der Anteile, weitere 25 Prozent liegen bei institutionellen und privaten Anlegern, der Rest ist breit gestreut.

Heibel hat, wie in einem Teil der gestrigen Ausgabe berichtet, den Vorstandsvorsitz der Holding am Mittwoch abend zurückgelegt. Nachfolger wird der bisherige Finanzchef Christoph Schug. Weitere Erklärungen gab es nicht. Seit Sommer 1998 hatte es aber offene Auseinandersetzungen zwischen dem Vorstand und der Familie Bernau über die Strategie der Unternehmensgruppe gegeben. Im Herbst diesen Jahres hatte Bernau angekündigt, die Familie wolle "gemeinsam mit Partnern" die Mehrheit der Anteile aufkaufen und die Holding, die Beteiligungen an mehr als 80 Firmen hält, zerschlagen. Als Partner war die französische Bank Société Générale genannt worden.

Der Streit sowie Probleme bei einigen Beteiligungen drückten den Kurs der BEH-Aktie seit 1998 von 25 auf unter zehn Euro. Anfang Dezember kündigte der Vorstand einen radikalen Sanierungskurs an: Die Gruppe werde sich von gut der Hälfte ihres Umsatzes, darunter der verlustreichen Sparte Verkehrstechnik, trennen und sich auf drei Kernbereiche konzentrieren. In den ersten neun Monaten 1999 verbuchte die Holding einen Verlust von 19 Millionen Mark.

Wie Max Bernau nun dem Tagesspiegel sagte, werde die Familie eng mit dem neuen Vorstand zusammenarbeiten. Wichtig sei, "dass nun wieder Ruhe einkehrt", sagte er. Martin Rottmann, Analyst der Berliner Volksbank, sieht das ähnlich. Sollte der Streit beendet sein, könnten sich auch Fonds für den Wert interessieren. Rottmann hält einen Kurs von 12 Euro für realisierbar - vorausgesetzt, das Unternehmen bleibe bei der nun eingeschlagenen Strategie. Am Mittwoch legte die Notierung zunächst leicht zu, verlor aber dann wieder.

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