Wirtschaft : Trotz Euro gibt es Dollar gegen D-Mark

HERMANN KUTZER (HB)

Lange Schlangen an den Bankschaltern? Erregte Diskussionen zwischen ungeduldigen Reisenden und gestreßten Kassierern? Keine Spur.Die Umstellung auf den Euro, verbunden mit der ungewohnten Mengennotierung, hat zwar Verwirrung gestiftet.Aber in den meisten Wechselstuben am Frankfurter Flughafen ist längst coole Gelassenheit eingekehrt, wie vor Ort am vergangenen Wochenende zu beobachten war.Und die meisten Institute zeigen sich betont kundenfreundlich, präsentieren sie doch ihre Sortenkurse parallel zur neuen Methode auch noch in der gewohnten Weise.

Die Umstellung auf die sogenannte Mengennotierung in Verbindung mit dem Euro- Start hatte die betroffenen Bankenprofis offenbar so stark in Anspruch genommen, daß die öffentliche Aufklärung in der ersten Januarwoche gründlich mißlang.Entscheidend dazu beigetragen haben unterschiedliche Auffassungen über die Darstellung von Geld- und Briefkursen bzw.Ankaufs- und Verkaufskursen in den Aushängen und in den Medien.Räumte ein langjähriger Sortenhändler ein: "Am Abend des 1.Januar wußte ich plötzlich nicht mehr, was links und rechts ist.Nach all den Umstellungsarbeiten mußte ich dringend erst einmal eine Nacht darüber schlafen."

Mittlerweile ist deutlich geworden, daß es im Grunde nicht die Einführung des Euros selbst ist, die im Sortenhandel für Irritationen gesorgt hat.Die Kritik der Kassierer und ihrer Kunden konzentriert sich nämlich weitgehend auf die Mengennotierung, die jetzt die Preisnotierung abgelöst hat.Grundsätzlich muß sich der Euroland-Bürger seit Jahresbeginn ja daran gewöhnen, daß der Euro den Platz seiner nationalen Währung einnimmt, auch wenn es die neuen Banknoten und Münzen noch nicht gibt.So tritt der Euro hierzulande an die Stelle der D-Mark.Der USA-Reisende rechnet nun damit, daß ihm am Bankschalter in Euro (statt wie bisher in D-Mark) ausgedrückte An- und Verkaufskurse für US-Dollar genannt werden.Seit vergangener Woche findet er in der Presse aber ganz andere Preise als bisher, und die auch noch mit unterschiedlichen Bezeichnungen.

Das ist geschehen: Der auch für den Sortenhandel gültige Beschluß des Devisenhandels, mit dem Euro auf Mengennotierung umzustellen, bedeutet, daß jetzt der Euro die Basis geworden ist.Andere Währungen werden als Menge für 1 Euro gehandelt und buchhalterisch abgewickelt.Ab jetzt gilt also nicht mehr 1 Dollar = 1,68 DM (bzw.Euro), sondern 1 Euro = 1,16 Dollar.

In der Geschäftspraxis wird es dem Reisenden leichtgemacht.Wer jedoch streng methodisch vorgeht, hat seinen Kunden entsprechend viel zu erklären.Meinhard Breitwies, Wechselstuben-Kassierer bei der Reisebank AG, hat zwar keinen Zoff gehabt, erlebte aber "viel Unverständnis" und bekam laute Kritik an den Verantwortlichen für die Notierungsumstellung zu hören.Auf den Kassenbelegen seines Instituts werden die Rechenvorgänge auch Schritt für Schritt vollzogen -für den Laien ist es dadurch nicht ganz einfach, den unten stehenden Zahlbetrag nachzuvollziehen.

Die Kollegen von der BfG-Bank dagegen nennen auf entsprechende Frage sogleich ihre aktuellen Dollar-An- und Verkaufspreise, ausgedrückt in D-Mark.Auch aus ihrem Beleg geht die veränderte Methode hervor, wird der Gegenwert auf Euro-Basis vermerkt; doch bleibt die Währungs- / DM-Transaktion leicht sichtbar im Vordergrund.Flughafen-Filialleiter Jürgen Horn bestätigt: "Das Komplizierte ist die Mengennotiz.Mit den Euro-Zahlen kann der Kunde doch nichts anfangen."

Fast exakt den gleichen Satz bekommt der Beobachter von Reiner Hauschild zu hören.Freilich hat der Schichtleiter im Flughafen-Reiseschalter der Deutschen Bank auch guten Grund zum Schmunzeln: Bei seiner Geschäftsstelle ist die Systemumstellung noch gar nicht vollzogen - "kommt aber bald" -, so daß dem Deutsche-Bank-Kunden im Frankfurter Rhein-Main-Airport nach wie vor die traditionelle Preisnotierung angezeigt wird.Auf der Sortenabrechnung steht beispielsweise die vom Kunden gewünschte Währung (Dollar) und ihr Betrag, daneben ihr Kurs und der ausmachende Betrag in D-Mark; schließlich wird noch die Provision hinzugerechnet.

Eine Erfahrung haben alle gemacht: Immer mehr Reisende fragen nach dem Euro.Ihn gibt es zwar schon in Form von Reiseschecks.Als Bargeld wird er gerade von einreisenden Amerikanern vermißt, die ihre "Greenbacks" gerne in die neue Währung tauschen würden.

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