Trotz Finanzkrise : Bauwirtschaft boomt auf der Arabischen Halbinsel

Straßen, Brücken, Fluughäfen, Kraftwerke - die Liste der Infrastrukturprojekte auf der Arabischen Halbinsel ist lang. Die örtlichen Regierungen zapfen ihre üppigen Dollarreserven an und deutsche Unternehmen wollen davon profitieren.

Michael Backfisch (HB)

Dubai - Trotz Finanzkrise erlebt der Nahe Osten einen Bauboom, von dem auch deutsche Unternehmen kräftig profitieren. Auslöser sind milliardenschwere Infrastrukturprogramme der Regierungen, die ihre üppigen Öl- und Gas- einnahmen der vergangenen Jahre anzapfen. Nach Angaben der National Bank of Kuwait werden auf der Arabischen Halbinsel derzeit Infrastrukturprojekte mit einem Gesamtvolumen von 2,1 Billionen Dollar gebaut oder sind in der Planung. Die Vorhaben reichen von Straßen, Brücken, Abwasseranlagen bis hin zu Flughäfen und Kraftwerken.

Allein die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen bis 2011 rund 530 Milliarden Dollar ausgeben. Saudi-Arabien hat 400 Milliarden Dollar vorgemerkt und nimmt dabei erstmals seit acht Jahren ein Haushaltsdefizit in Kauf. Der Nahe Osten war im ersten Quartal 2009 die einzige Export-Region, in der deutsche Firmen ein Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum erzielten. So nahmen die Ausfuhren in die VAE um neun Prozent zu. Die Lieferungen nach China schrumpften um 3,3 Prozent und nach Russland gar um 31,4 Prozent.

Saudi-Arabien, die größte Volkswirtschaft in der Region, gilt als bedeutendster arabischer Zukunftsmarkt. „Wir haben eine große Anzahl von Auftragsanfragen“, sagte Christian Selch, Siemens- Chef für Saudi-Arabien, dem „Handelsblatt“. Der Konzern rechnet damit, dass die staatliche Ausgabenpolitik und der steigende Energiebedarf aufgrund der wachsenden Bevölkerung auch künftig für ein positives Geschäftsklima sorgen. Das gilt sowohl für den Bau von Kraftwerken als auch von Leitungsnetzen.

Das Bau- und Dienstleistungsunternehmen Bilfinger Berger hat trotz der Finanzkrise keinen Einbruch in Nahost erlitten. „Wir sind vorsichtig optimistisch“, sagt Regionalchef Peter Steinhorst. Das Bruttoumsatzvolumen auf Euro-Basis habe sich seit 2007 konstant in dreistelliger Millionenhöhe pro Jahr bewegt. Bilfinger Berger ist vor allem mit Tiefbauprojekten in Abu Dhabi und Katar aktiv. „Wir wollen nicht in fünf Ländern gleichzeitig arbeiten: Wir fokussieren uns lieber und haben dafür eine starke lokale Präsenz“, sagt Steinhorst. Die Verhandlungen über einen großen Infrastrukturauftrag in den VAE seien weit fortgeschritten, heißt es.

Katar wird immer mehr zu einem Anziehungspunkt für deutsche Firmen. Neben Eon sind Linde, Süd-Chemie, die Deutsche Bahn und Wintershall vertreten. Der Baudienstleister Hochtief zieht in der Hauptstadt Doha bis 2012 ein acht Kilometer langes Einkaufszentrum für 1,3 Milliarden Euro hoch. Hochtief ist auch bei der Anlage eines 45 Kilometer langen Damms dabei, der eine 22 Kilometer lange Brücke zwischen Katar und Bahrain mit einschließt. Das Projekt besteht aus einer sechsspurigen Schnellstraße sowie einer Eisenbahn für Passagier- und Frachtverkehr. Kosten: rund sieben Milliarden Dollar.

Auch in Dubai, das in den vergangenen Monaten von einer schweren Immobilienkrise gebeutelt wurde, laufen öffentliche Vorhaben weiter. So sollen die U-Bahn und der höchste Turm der Welt, der Burj Dubai, noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Der Startschuss des weltgrößten Flughafens Dubai World Central ist für Sommer 2010 geplant. Michael Backfisch (HB)

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