Trotz Finanzkrise : Landesbank verhundertfacht Gewinn

Wenn ein Unternehmen seinen Gewinn verhundertfacht, ist es in der Regel Zeit für Champagner oder mindestens öffentliche Jubelbekundungen. Bei der Landesbank Berlin (LBB), hervorgegangen aus der Bankgesellschaft, ist das anders.

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Kein Grund zu feiern. Trotz der besseren Zahlen ist die Landesbank zurückhaltend.Foto: ddpddp

BerlinBerlin - Wenn ein Unternehmen seinen Gewinn verhundertfacht, ist es in der Regel Zeit für Champagner oder mindestens öffentliche Jubelbekundungen. Bei der Landesbank Berlin (LBB), hervorgegangen aus der Bankgesellschaft, ist das anders. Der Gewinn vor Steuern stieg im abgelaufenen Quartal von drei auf 306 Millionen Euro, trotzdem übt man sich in Zurückhaltung. Die weltweite Krise der Kapital- und Finanzmärkte sei entschärft, aber nicht bewältigt, hieß es am Montag bei der Vorlage der Zahlen. Nach Abzug von Steuern und Aufwendungen blieb unterm Strich ein Konzernüberschuss von 224 Millionen Euro. Im Vorjahr dagegen hatte es noch ein Minus von elf Millionen Euro gegeben.

Damit gehört die LBB neben der NordLB und der Landesbank Hessen-Thüringen zu den Landesbanken, die bislang glimpflich durch die Krise gekommen sind. Trotz Blessuren mussten diese drei Institute anders als die BayernLB, die HSH Nordbank, die WestLB und die LBBW bislang nicht durch ihre Eigner gestützt werden.

Angesichts des trotzdem krisenbedingt „unverändert schwierigen Umfelds“, zeigte sich Johannes Evers, der neue Chef des Instituts zufrieden. Evers hatte zum 1. Juli den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Hans-Jörg Vetter als Institutschef abgelöst. Vorher hatte er das Privatkundengeschäft der LBB und damit auch das mit  rund zwei Millionen Kunden bundesweit größte Kreditinstitut, die Berliner Sparkasse, geführt Gleich in seiner ersten Zwischenbilanz kann er jetzt dem Sparkassenverband, zu dem die LBB gehört, wieder die Auszahlung einer Dividende in Aussicht stellen. Wie hoch diese ausfällt, hänge allerdings vom vierten Quartal ab. Der Konzern geht grundsätzlich von einer weiteren positiven Entwicklung aus. Allerdings war das dritte Quartal im Vergleich zu den beiden vorangegangenen das schwächste. So lag der Vorsteuergewinn im ersten bei 102 Millionen Euro, im zweiten bei 116 und im dritten bei nur noch 88 Millionen Euro.

Ebenfalls beeinflusst werden könnte die Höhe der Dividende durch eine gesetzlich geforderte höhere Eigenkapitalquote, wie der Vorstand in einem Brief an die Aktionäre erklärte. Schon jetzt wurde die Risikovorsorge im Kreditgeschäft um 138 auf nun 261 Millionen Euro deutlich angehoben. Grund dafür sei die verschlechterte Situation der Firmen. Bei der LBB geht man davon aus, dass sich die Auswirkungen auf die Realwirtschaft noch verstärken werden, die Höhe der Kreditausfälle entsprechend steigt.

Gut verdienen konnte die LBB mit Derivaten, die zur Zinssicherung genutzt werden. Das Ergebnis in diesem Segment verbesserte sich um 615 Millionen Euro auf 387 Millionen Euro und trug damit maßgeblich zum guten Vorsteuerergebnis bei.

Bei den operativen Ergebnissen der einzelnen Geschäftsfelder sieht es dagegen durchwachsen aus. Während sich das Ergebnis im Privatkundengeschäft auf 45 Millionen Euro nahezu halbierte, legte das Geschäft mit Firmenkunden um zehn Prozent auf 55 Millionen Euro zu. In der Immobilienfinanzierung ging der Gewinn um 81 auf 150 Millionen Euro zurück. Gerettet hat die LBB schlussendlich jedoch das Kapitalmarktgeschäft: Dessen Vorsteuergewinn erhöhte sich auf 176 Millionen Euro – nach einem Minus von 356 Millionen Euro im Vorjahr.mho/HB

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