Wirtschaft : Trotz hoher Preise: Gasag-Gewinn sinkt

Um zu sparen, verbrauchen die Kunden weniger Gas / Vattenfall profitiert dagegen von der teuren Energie

Anselm Waldermann

Berlin - Trotz der hohen Gaspreise hat der Berliner Versorger Gasag weniger Gewinn erwirtschaftet. Im vergangenen Jahr sank das Ergebnis nach Steuern um rund zehn Prozent auf 49 Millionen Euro. „Das ist leider unter dem Plan“, sagte Gasag-Vorstand Olaf Czernomoriez in Berlin. Als Grund für den Gewinnrückgang nannte das Unternehmen die gestiegenen Beschaffungskosten für Gas, die man nicht voll an die Kunden weiter- gegeben habe. „Ohne die Preiserhöhungen hätte das Ergebnis sogar bei minus 40 Millionen Euro gelegen“, erklärte Vorstand Andreas Prohl.

Die Gasag hatte im Oktober 2005 die Gaspreise für Privatkunden um acht bis zwölf Prozent erhöht. Daraufhin erhob sich eine Welle der Entrüstung: Kunden legten Widerspruch ein oder verweigerten die Bezahlung ihrer vollen Rechnungsbeträge, Verbraucherschützer organisierten zudem eine Sammelklage gegen die Gasag, die derzeit noch beim Landgericht Berlin anhängig ist. Zum ersten Januar erhöhte das Unternehmen seine Preise erneut um acht bis zwölf Prozent. Als Grund nannte es die gestiegenen Beschaffungskosten für Gas. Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sind die Importkosten an der deutschen Grenze im Verlauf des letzten Jahres um 77 Prozent gestiegen.

Aufgrund der hohen Gaspreise registriert die Gasag nun sogar schon Verkaufsrückgänge. „Ohne den Einfluss von Sonderfaktoren ist der Absatz zuletzt um zwei Prozent zurückgegangen“, erklärte Vorstandssprecher Georges Hoffmann. Die Gasag führt dies auf das Sparverhalten der Verbraucher zurück. Für den geringeren Gewinn seien aber auch wetterabhängige Absatzschwankungen verantwortlich. „In diesem Jahr schaffen wir hoffentlich wieder ein Ergebnis von mehr als 50 Millionen Euro“, sagte Hoffmann. Allerdings erwartet die Gasag auch in Zukunft keine sinkenden Gaspreise. „Weltweit wird Gas eher teurer als billiger“, sagte Prohl.

Czernomoriez betonte, dass die Gasag ihr Ergebnis „zu Recht und nicht zu Lasten der Kunden“ erwirtschaftet habe. „Wir müssen uns für unseren Gewinn nicht schämen.“ Seit 1993 habe das Unternehmen 1,1 Milliarden Euro in das Berliner Leitungsnetz investiert. Angesichts dessen stelle der Gewinn keine übermäßige Verzinsung des eingesetzten Kapitals dar. Den vollständigen Jahresabschluss will die Gasag im April vorstellen.

Das Landgericht Berlin prüft derzeit, ob die jüngsten Preiserhöhungen der Gasag rechtens waren. Das Unternehmen selbst rechnet damit, dass das Verfahren sich bis ins nächste Jahr hinziehen könnte. „Bei einer Niederlage würden wir bis in die letzte Instanz gehen“, kündigte Czernomoriez an.

Deutlich bessere Zahlen als die Gasag konnte am Mittwoch der schwedische Energiekonzern Vattenfall mitteilen. Wegen der hohen Strompreise stieg der Gewinn um 59 Prozent auf 17,4 Milliarden Kronen (1,9 Milliarden Euro). Anders als die Gasag ist Vattenfall auch in der Erzeugung tätig und profitiert daher von den hohen Energiepreisen. Der Umsatz kletterte um 13,9 Prozent auf 129,2 Milliarden Kronen.

Besonders stark hat die deutsche Tochter Vattenfall Europe zu dem guten Ergebnis beigetragen. Das Unternehmen, zu dem auch die ehemalige und nun umbenannte Bewag gehört, beliefert in Berlin und Hamburg insgesamt drei Millionen Kunden mit Strom. Damit ist es in Deutschland der drittgrößte Energiekonzern nach Eon und RWE. Genaue Zahlen für Vattenfall Europe werden vermutlich erst im Mai veröffentlicht.

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