Wirtschaft : Trotz IWF-Hilfen Panik an asiatischen Finanzmärkten

Regierung in Seoul schickt einen neuen dringenden Hilferuf an den Internationalen Währungsfonds.

SEOUL / SINGAPUR (dpa).Die Aktien- und Devisenmärkte in Asien brachen am Donnerstag auf breiter Front ein.Angesichts des freien Falls des südkoreanischen Won und der Aktienkurse schickte die Regierung in Seoul einen neuen dringenden Hilferuf an den Internationalen Währungsfonds. Anleger in der Region waren vor allem nervös darüber, daß trotz der Milliardenkredite des IWF an Thailand, Indonesien und Südkorea keine Stabilisierung der Krisenherde eintritt. Ungeachtet aller Maßnahmen zur Stützung des südkoreanischen Finanzmarktes fiel der Kospi-Index an der Börse in Seoul um weitere 5,6 Prozent auf 377,37 Punkte.Der Won stürzte binnen drei Minuten nach Handelsbeginn um zehn Prozent auf 1719,80 Won je Dollar.Daraufhin wurde der Devisenhandel wie schon an den Vortagen ausgesetzt.Beobachter sprachen von "weitverbreiteter Panik".Die Regierung in Seoul will nun versuchen, die vom IWF direkt zugesagten 21 Mrd.Dollar Finanzhilfe noch in diesem Jahr zu erhalten.Analysten erklärten den Kursverfall damit, daß Wertpapierhäuser Aktien verkauften, um für den Schuldendienst dringend benötigtes Bargeld zu erhalten. Die rasante Talfahrt an den asiatischen Börsen riß auch den zuletzt wieder stabileren Aktienmarkt in Hongkong mit.Der Hang-Seng-Index verlor knapp sechs Prozent und schloß mit 10 420,22 Punkten, ein Minus von 602,19 Zählern.Bereits am Vortag hatte das Börsenbarometer über vier Prozent eingebüßt.Auslöser waren Befürchtungen, daß Währungsspekulanten massiv in den Kapitalmarkt eingreifen und die feste Wechselkursanbindung an den US-Dollar ins Schwanken bringen könnten. In Bangkok, wo die Landeswährung Baht auf ein neues Rekordtief von 43,25 zum US-Dollar fiel, stürzte der SET-Aktienindex um 4,8 Prozent auf 371,51 Punkte ab.Auch Jakarta verlor 4,8 Prozent, Kuala Lumpur sogar 7,4 Prozent. Singapur, die größte Börse Südostasiens, konnte noch schwerere Einbußen am Nachmittag wieder wettmachen und schloß mit Verlusten von 2,3 Prozent.Auch der Singapur-Dollar fiel auf ein neues Rekordtief von 1,6330 zum US-Dollar."Vor allem die ausländischen Fonds haben verkauft", sagte ein Broker.In Sydney gab der ASX-Sammelindex um 1,5 Prozent nach, Wellington (Neuseeland) schloß mit minus 1,3 Prozent.

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