Wirtschaft : Trotz knapperer Mittelmehr Entwicklungshilfe

Bundeseigene GTZ wickelt mehr Aufträge ab / Wirtschaft profitiert

Frankfurt (Main) (ro).Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn, im Auftrag des Bonner Entwicklungshilfeministeriums (BMZ) für die Umsetzung von Projekten zuständig, hat derzeit viele Klippen zu umschiffen.Einerseits fehlt dem Finanzminister das Geld an allen Ecken und Enden, andererseits bleiben die Herausforderung im Blick auf weltweite Armut, Hungersnöte und Umweltzerstörungen akut.Ganz abgesehen von Bürgerkriegen und Naturkatastrophen, bei denen die Hilfe ebenfalls gefragt ist.Trotzdem ist die GTZ nach Ansicht von Geschäftsführer Gerold Dieke erfolgreich."Die Qualität unserer Arbeit hat sich verbessert, die Produktivität ist gestiegen", sagte Dieke am Mittwoch abend in Frankfurt (Main).Mehr noch freut Dieke, daß die Wirtschaft die Bedeutung der Entwicklungshilfe für das eigene Geschäft erkennt.Das mache sich auch daran fest, daß die GTZ Aufträge nicht nur an deutsche Beratungsfirmen vergibt, sondern einen Teil des in den Projekten benötigten Materials bei deutschen Firmen kauft.Consulting-Unternehmen etwa konnten 1996 GTZ-Aufträge im Wert von 365 Mill.DM ergattern. 2751 Projekte in 135 Ländern hat das bundeseigene Unternehmen 1996 betreut, ein halbes Prozent mehr als im Jahr zuvor.Die Gesamtleistung kletterte um drei Prozent auf 1,7 Mrd.DM.Knapp 1300 Experten (minus drei Prozent) sind in der Zentrale in Eschborn beschäftigt.In den nächsten Jahren soll die Arbeit in der Zentrale weiter gestrafft werden, damit "ein möglichst großer Anteil der Mittel unmittelbar den Partnern zugute kommt", so Dieke."Der höheren Effizienz dient auch die Dezentralisierung der Arbeit.Direkt vor Ort in Afrika, Asien und Lateinamerika sollen die Aufgaben erledigt werden, und dies verstärkt mit einheimischen Fachkräften. Daß die Arbeit der GTZ anerkannt wird, zeigt sich auch im Drittgeschäft.Dort bietet das Unternehmen, etwa für die Weltbank, die EU, die UN und für diverse arabische Länder ihre Dienste gegen entsprechende Bezahlung an.Der Umsatz in diesem Bereich kletterte 1996 um fast acht Prozent auf rund 170 Mill.DM.Der Überschuß aus diesen Geschäften kommt der Entwicklungshilfe zugute.Der Sparkelch geht indes an der GTZ nicht vorbei.Im laufenden Jahr muß man mit 50 Mill.DM weniger aus Bonn auskommen.Wie es im nächsten Jahr aussieht, weiß noch niemand.GTZ-Aufsichtsratschef Wighard Härdtl, Staatssekretär im BMZ, sieht eine "ganz schwierige Etappe".Er baut darauf, "daß der Finanzminster den Stellenwert der Enwicklungshilfe und deren Rückwirkung auf die deutsche Wirtschaft kennt".Immerhin muß das Unternehmen nicht befürchten, in den Strudel der Privatisierungspläne gezogen zu werden.Laut Satzung darf die GTZ keine Gewinne ausschütten.Zum anderen erledigt sie Aufgaben, für die sich am freien Markt kaum ein Unternehmen finden würde.

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