Trotz Krisen bei VW und Deutscher Bank : Status Deutschland: Es läuft doch!

Die größten Konzerne des Landes stecken in der Krise. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote gering, die Kauffreude hoch. Und für den Außenhandel könnte es ein Rekordjahr werden.

von , , , und Daniel Mosler
Der Hamburger Hafen.
Der Hamburger Hafen.Fotolia

Der VW-Konzern wird in diesem Jahr einen Umsatz erzielen, der annähernd dem Bruttoinlandsprodukt Portugals entspricht: mehr als 210 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme der Deutschen Bank – 1,7 Billionen Euro – ist so groß wie die Wirtschaftsleistung Italiens. Wenn die beiden Schwergewichte in Schwierigkeiten geraten, steht viel auf dem Spiel. Zusammen beschäftigen beide weltweit 700 000 Menschen, mehr als 300 000 davon in Deutschland. Brächen die Giganten zusammen, zögen sie die gesamte deutsche Volkswirtschaft in Mitleidenschaft.

Doch so weit wird es nach Lage der Dinge nicht kommen. Der Abgasskandal des Autokonzerns und der Milliardenverlust der Bank sind nicht symptomatisch für die Lage deutscher Großunternehmen. Im Gegenteil: Der exportorientierten deutschen Industrie geht es im Herbst 2015 insgesamt bestens. Mit Blick auf den weiteren Geschäftsverlauf hat der Optimismus der Unternehmen laut Ifo-Geschäftsklimaindex im September sogar weiter zugenommen. „Die deutsche Wirtschaft zeigt sich robust“, heißt es. In vielen Fällen laufen die Geschäfte besser, als die Unternehmen selbst prognostiziert hatten. Nach einer Analyse des Beratungsunternehmens EY aus dem Sommer stieg im ersten Halbjahr die Zahl der Firmen deutlich, die ihre Gewinnprognosen nach oben korrigiert haben.

Höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung

Höhere Gewinne ermöglichen höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F+E). So stockten allein die Dax-Konzerne zuletzt ihre F+E-Budgets um 14 Prozent auf. Der Anteil der Automobilindustrie ist hier besonders groß. Die Branche steuert rund 40 Prozent an den gesamten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der deutschen Wirtschaft bei.

Die Unternehmen stehen im globalen Wettbewerb unter enormem Innovationsdruck. Ein Indiz dafür, dass deutsche Konzerne hier in der Oberliga spielen, zeigt die Zahl der angemeldeten Patente. 2014 belegte Deutschland mit knapp 32 000 Anmeldungen hinter den USA und Japan Platz drei – und lag in Europa deutlich vor Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz. Unter den Top 10 der weltweit innovativsten Unternehmen finden sich drei deutsche: Siemens, BASF und Bosch.

Anlass zur Sorglosigkeit geben die guten Rahmenbedingungen dennoch nicht. Viele Unternehmen befinden sich in einem schwierigen Transformationsprozess. Digitalisierung und Industrie 4.0 sind nur einige Stichworte. Und: VW und Deutsche Bank zeigen, dass Konzerne eine Komplexität erreichen können, die kaum noch zu managen ist. Der „Kulturwandel“, den sich beide nach hausgemachten Skandalen vorgenommen haben, ist ein Projekt für Jahre. Henrik Mortsiefer

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