Wirtschaft : Trotz "National Beef Day"-Feier laufen die Exporte nur langsam an

Martin Pütter

Die britischen Rinderzüchter lassen die Korken knallen. Sie haben den 1. August 1999 zu ihrem Feiertag erklärt. Der Tag ist der "National Beef Day". Endlich dürfen sie wieder ihr Rindfleisch in die ganze Welt exportieren. Über drei Jahren lang war das nicht möglich, nachdem die EU wegen der BSE-Krise und den möglichen Zusammenhängen mit der Creuzfeldt-Jakob-Krankheit eine weltweite Exportsperre verhängt hatte. Die Aufhebung des Exportverbots "war lange überfällig", sagt Ben Gill, Präsident des nationalen Bauernverbandes (NFU). Landesweit wird heute gefeiert. Ländliche Läden und Bauernhöfe laden die Öffentlichkeit zu Grillfesten ein.

Auch der Rest der Welt soll merken, was er verpasst hat. Als die Aufhebung der Exportsperre Anfang Juli bekanntgegeben worden war, hatten Regierung, Bauernverband und Medien in ungewohnter Einheit erklärt, ihr Rindfleisch sei "das Beste der Welt". Um dies zu beweisen, wurde sogar der englische Thronfolger Prinz Charles eingespannt. Er lud Fleischhändler aus ganz Europa zu einem Dinner auf seinem Landsitz Highgrove in der Grafschaft Gloucestershire, bei dem Rind serviert wurde. In der Grafschaft hat der Prinz seine eigene Herde organisch gezüchteter Rinder.

Überschwänglicher Jubel herrscht nun deswegen jedoch in Großbritannien nicht. "Ich bin sehr erfreut über die Entscheidung, aber es ist nur der Beginn eines wohl lange dauernden Versuchs, auf den Überseemärkten wieder Vertrauen in britisches Rindfleisch herzustellen", sagt Ben Gill. Und dann sind da noch die strengen Auflagen der EU.

Exportiert werden darf nur knochenloses Rindfleisch (selbst in Großbritannien ist der Verkauf von Rindfleisch am Knochen weiter verboten), und das von Tieren, die nach dem 1. August 1996 geboren wurden - der Tag, als die britische Regierung die Fütterung mit Nahrung aus Fleisch- und Knochenmehl verboten hatte. Die Tiere müssen älter als sechs Monate und jünger als 30 Monate sein und müssen in speziellen Schlachthäusern geschlachtet worden sein, die sich nur auf zu exportierendes Rindfleisch ausrichten.

Wegen der Auflagen wird erwartet, dass es bis Ende des Monats dauern wird, bevor das erste Stück britischen Rindfleisches exportiert wird. Und weil sie als unwirtschaftlich betrachtet werden, hat auch erst ein Schlachthof in Cornwall eine Exportlizenz beantragt. Die Fleisch- und Viehkommission (MLC) des britischen Landwirtschaftsministeriums glaubt, dass es ein langer Prozess wird, die verlorenen Märkte wiederzugewinnen. Dem MLC stehen jährlich nur zwei Mill. Pfund zur Förderung des Fleischexports zur Verfügung, während nach Ansicht der Experten dafür bis zu 30 Mill. Pfund benötigt werden. Bis zum Ende dieses Jahres wird lediglich ein Export von 5000 Tonnen veranschlagt, verglichen mit 246 000 Tonnen im letzten Jahr vor der Exportsperre. Der größte Kunde war damals Frankreich, das vor allem britisches Kuhfleisch importierte - für Kühe gilt aber weiter eine Exportsperre.

Auf dem heimischen Markt sah es etwas besser aus. Schon im Juli 1997 hatten die Verkäufe von britischem Rind wieder annähernd den Stand von 1995 erreicht. Dennoch mussten viele Bauern ihre Rinderzucht aufgeben, gingen bankrott oder überlebten nur, weil sie umstellten - wie ein Bauer, der seine Rinderställe nun zur Papageienzucht verwendet.

Von einem Ende der BSE-Krise kann noch keine Rede sein. Seit Anfang 1998 sind insgesamt 175 000 Tiere am Rinderwahnsinn gestorben. Seit Mai 1996 wurden insgesamt 3,2 Mill. Tiere geschlachtet. Das hat dazu geführt, dass die Zahl hochqualitativer Rinderherden in England massiv gesunken ist.

Behoben werden konnte dieses Problem mit Rindern aus Schottland und Nordirland. Dort war schon länger eine Aufhebung gefordert worden, weil die Fälle von BSE im Vergleich zu England relativ gering waren. Speziell in Nordirland sind Rinder schon seit langem per Computer registriert, und die "Vorfahren" können bis zu etlichen Generation zurückverfolgt werden. Das trug mit dazu bei, dass dort der Rinderwahnsinn ausgerottet ist. Deswegen hatte die EU die Exportsperre für Nordirland bereits am 1. Juli vergangenen Jahres aufgehoben.

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