Wirtschaft : "Trotz Querelen mit der Stadt" steht die Flughafen Wien AG zum Betreiber-Projekt

Claus-Dieter Steyer

Die Flughafen Wien AG ist weiter daran interessiert, den Regionalflughafen Finow bei Eberswalde zu betreiben. "Wir stehen trotz der Querelen in der Stadt zu unserem Wort", sagte Pressesprecher Hans Mayer am Dienstag auf Anfrage. Das geplante Engagement auf dem rund 50 Kilometer nördlich von Berlin gelegenen früheren russischen Militärflugplatz erfolge auch unabhängig von der Beteiligung der Aktiengesellschaft am Konsortium IVG, das sich neben dem Konzern Hochtief um den Bau des Großflughafens Schönefeld bewirbt. "Allerdings muss jetzt für Finow neu geprüft und verhandelt werden", erklärte Mayer.

Bisher gibt es dafür aber weder auf dem Flugplatz noch in der Stadt einen Ansprechpartner. Denn Eberswaldes Bürgermeister Reinhard Schulz (parteilos) hatte überraschend die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft, Bepo Brandstetter, für beendet erklärt. Dem Unternehmer aus Österreich, der in Eberswalde noch eine Baufirma betreibt, werden "Unregelmäßigkeiten innerhalb der Buchführung und Bilanzierung" vorgeworfen, wie es in einer Erklärung des Bürgermeisters heißt.

Konkret geht es um 3,25 Millionen Mark. Diese Summe erhielt Brandstetter nach Angaben von Bürgermeister Schulz von den Technischen Werken Eberswalde, einer hundertprozentigen Tochter der Stadt, als Darlehen. Doch statt das Geld für den Ausbau des Flugplatzes am Rande der Stadt zu nutzen, wurde es offenbar für andere Dinge verwendet, unter anderem für ein Geschäftshaus im Zentrum. Brandstetter dementiert das und will die "Sache bis Ende der Woche klären".

So lange wollte der Bürgermeister nicht warten und setzte dem seit fünf Jahren der Entwicklungsgesellschaft vorstehenden Unternehmer den Stuhl vor die Tür. Seit September 1999 werde die Wirtschaftslage dieser Gesellschaft überpüft und nach der Verwendung des Darlehens gesucht, erklärte Reinhard Schulz. "In unerträglicher Weise wurde die Kontrolle der Mittelverwendung behindert", klagte er. An der Fluplatz-GmbH sind die Technischen Werke mit 26 und die Stadt mit zwei Prozent beteiligt.

Das Fass zum Überlaufen hat wahrscheinlich die Kündigung des Pachtvertrages durch die Brandenburgische Bodengesellschaft gebracht, die frühere militärische Liegenschaften verwaltet. Brandstetter war seit Monaten die Pacht für das Flugplatzgelände schuldig geblieben, obwohl der Flugbetrieb Einnahmen sicherte. Jetzt hat die Stadt Eberswalde zumindest erreicht, die von der Bodengesellschaft gesetzte Räumungsfrist von Ende Januar auf Anfang März zu verschieben. Bis dahin muss der Bürgermeister einen neuen Flugplatz-Entwickler finden und mit ihm eine Gesellschaft gründen. Anders ist die gewünschte Zusammenarbeit mit der Flughafen Wien AG wohl nicht zu halten. "Wir machen unseren Einstieg in Finow nicht von dem Herrn Brandstetter abhängig", unterstrich Sprecher Mayer.

Finow gehört neben Cottbus und Brandenburg/Havel zu den drei vom Land vorgesehenen Regionalflughäfen. Ursprünglich sollten hier im Charterverkehr auch große Passagiermaschinen starten und landen. Diese Pläne hatten allerdings im Berliner Senat Proteste ausgelöst, der eine Konkurrenz zum künftigen Großflughafen in Schönefeld befürchtete. Nun soll Finow nur noch für kleine Maschinen ausgebaut werden.

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