Trotz Rekordgewinn : Deutsche Bank hält an Jobabbau fest

Die Deutsche Bank will trotz eines überraschenden Gewinnsprungs im ersten Quartal 2005 den umstrittenen Abbau tausender Stellen fortsetzen. Die Bank konnte ihren Gewinn in den ersten Monaten des Jahres um 17 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro steigern.

Frankfurt/Main (29.04.2005, 13:54 Uhr) - «Die Maßnahmen sind schmerzhaft, aber wir haben keine Alternative», schreibt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in einem am Freitag veröffentlichten Brief an die Aktionäre. SPD-Politiker und Gewerkschaften forderten erneut einen Stopp des Stellenabbaus, nachdem Deutschlands größtes Finanzhaus seinen Quartalsgewinn unerwartet deutlich um 17 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 941 Mio Euro) gesteigert hatte. Mit dem Gewinnsprung rückte auch das von Ackermann für das Gesamtjahr ausgegebene Renditeziel von 25 Prozent näher.

In Deutschland sank die Zahl der Mitarbeiter nach Angaben der Bank von rund 28 000 Ende des vergangenen Jahres auf 27 026 im ersten Quartal. Ende 2006 sollen es knapp 25 400 sein. Die Bank liege beim Stellenabbau voll im Plan, sagte Finanzvorstand Clemens Börsig. Bis Ende März sei mit knapp 2400 Mitarbeitern eine Einigung erreicht worden. Bis zum Jahresende will die Bank weltweit 5500 von 6400 Stellen, deren Abbau im Februar angekündigt worden war, gestrichen haben. Weltweit sank binnen drei Monaten die Mitarbeiterzahl von 65 417 Ende Dezember auf 64 527. «Diese Personalpolitik ist angesichts von Milliardengewinnen ein Skandal», kritisierte ver.di- Vorstand Uwe Foullong. Ver.di fordert ein gesetzliches Kündigungsverbot für Unternehmen mit großen Gewinnen.

Vorstandssprecher Ackermann kündigte in dem Vierteljahresbericht an: «Zur langfristigen Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit werden wir dort an der Verbesserung unserer Kosteneffizienz arbeiten, wo noch Nachholbedarf besteht.» Konkrete Maßnahmen nannte die Bank auch auf Nachfrage nicht. Dem Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent im Gesamtjahr kam die Bank mit dem Quartalswert von 33 Prozent vor Steuern und Restrukturierungskosten deutlich näher. Finanzvorstand Börsig gab allerdings zu Bedenken, das erste Quartal falle traditionell stark aus. Der Ergebniszuwachs sei «fast ausschließlich im Ausland erzielt» worden, teilte die Bank mit.

Zu Jahresbeginn profitierte der Branchenprimus vor allem von einem starken Handelsgeschäft. Das Geschäft mit Aktien, Rentenpapieren und Optionen stieg um rund 18,5 Prozent auf 2,41 (2,04) Milliarden Euro. Auch der Zinsüberschuss legte auf 1,44 (1,39) Milliarden Euro zu. Der Provisionsüberschuss ging auf 2,3 (2,4) Milliarden Euro zurück. Die Risikovorsorge für Problemkredite senkte die Deutsche Bank im Quartalsvergleich um 42 Prozent auf 81 (141) Millionen Euro.

Bei der Hauptversammlung am 18. Mai will sich der Vorstand von den Anteilseignern einen weiteren Rückkauf eigener Aktien genehmigen lassen. Geplant ist der Rückkauf von bis zu 10 Prozent des Grundkapitals von derzeit 543,9 Millionen Aktien. Nach Ablauf ihres dritten Rückkaufprogramms am 20. April hält die Bank nach eigenen Angaben 33,4 Millionen eigene Aktien und damit 6,1 Prozent der ausgegebenen Papiere. (tso)

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