Wirtschaft : Trotz Sparprogramms wollen Eisenbahner mehr Geld

Die Gewerkschaft Transnet lehnt eine Nullrunde ab – längere Arbeitszeiten aber nicht

Bernd Hops

Berlin - Die Eisenbahner wollen bei den Tarifverhandlungen Ende Februar Lohnzuschläge fordern. „Eine Nullrunde wird es mit uns nicht geben – auf keinen Fall“, sagte Alexander Kirchner, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Transnet, dem Tagesspiegel am Sonntag. Die Beschäftigten der Bahn dürften nicht von der allgemeinen Lohnentwicklung in Deutschland abgekoppelt werden. Die Forderung sei unabhängig von dem Beschäftigungssicherungspakt zu sehen, den die Gewerkschaften mit der Deutschen Bahn im Dezember grundsätzlich vereinbart haben, sagte Kirchner.

Kernpunkte des Pakts, der bis 2010 gelten soll, sind eine Senkung der Arbeitskosten um 5,5 Prozent und ein weit gehender Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen. Das bisherige Beschäftigungsbündnis war Ende 2004 ausgelaufen. Die Gewerkschaften drängten jedoch auf eine Neuauflage, weil die Bahn wahrscheinlich in den kommenden Jahren insgesamt mehr als 30000 Stellen streichen werden wird.

Endgültig besiegelt werden soll der Beschäftigungspakt am 15.Februar. Bis dahin führt Transnet regionale Veranstaltungen für Beschäftigte der Bahn und ihrer Tochtergesellschaften durch. Auf den Versammlungen würde über den Pakt abgestimmt. Von den bisher durchgeführten 51 Treffen habe es nur drei gegeben, bei der die Mehrheit klar gegen die Bedingungen des Beschäftigungspakts war. Transnet gehe insgesamt davon aus, dass sich die Mehrheit für den Pakt aussprechen wird. „Die 5,5 Prozent sind mehrheitsfähig“, so Kirchner. Rund 70 Regionaltreffen seien noch geplant.

Parallel dazu gingen die Verhandlungen mit der Bahn über die tatsächliche Umsetzung des Pakts weiter, sagte der Transnet-Vorstand. Die Mitarbeiter der Bahn haben nämlich ein Wahlrecht, wie sie ihren Beitrag zur Kostensenkung leisten – entweder über Mehrarbeit bei gleichem Lohn oder eine Lohnsenkung bei gleicher oder geringerer Arbeitszeit. „Das muss aber jeweils an die Bedürfnisse der einzelnen Betriebe angepasst werden“, sagte Kirchner. Es gebe auch Werke mit Unterbesetzung, in denen nicht alle nun weniger arbeiten könnten. Umgekehrt bestehe die Gefahr, dass in Werken, in denen durch Mehrarbeit ein Überhang entstehe, Arbeitsplätze abgebaut würden. In einigen Tochterunternehmen der Bahn wurden wiederum die Löhne im vergangenen Jahr aus Wettbewerbsgründen stärker abgesenkt als jetzt im Pakt vorgesehen. „Teilweise werden die Löhne deshalb jetzt wieder leicht angehoben“, sagte Kirchner.

Er betonte, dass die Einschnitte durch den Beschäftigungspakt bis 2010 befristet seien. „Außerdem ändert sich an den Tabellenentgelten nichts“, sagte er. Um die gehe es in den Lohntarifverhandlungen, die Ende Februar aufgenommen werden sollen. Der entsprechende Tarifvertrag sei fristgerecht gekündigt worden. „Die Eisenbahner verdienen heute schon nicht viel. Sie können sich nicht beides leisten, die Senkungen durch den Beschäftigungspakt und eine Nullrunde“, sagte Kirchner. Sonst würden die Eisenbahner langfristig bei den Löhnen noch weiter zurückfallen. Die Lage bei der Bahn sei vollkommen anders als etwa bei den deutschen Automobilkonzernen, sagte Kirchner. Die konkrete Lohnforderung wird Mitte Februar von der Tarifkommission der Gewerkschaft festgelegt.

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