Trotz steigendem Umsatz : Bayer meldet Gewinnrückgang

Im zweiten Quartal blieb der Konzern hinter den Erwartungen zurück. Bayer Schering Pharma leidet unter Nachahmerpräparat

von
Bittere Pillen. Das Pharmageschäft des Konzerns litt im zweiten Quartal. Foto: ddp
Bittere Pillen. Das Pharmageschäft des Konzerns litt im zweiten Quartal. Foto: ddpFoto: ddp

Berlin - Analysten hatten mit einem Anstieg gerechnet, doch der Chemie- und Pharmakonzern Bayer musste am Donnerstag in Leverkusen einen Gewinnrückgang melden. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 525 Millionen Euro im zweiten Quartal und damit 1,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, teilte Bayer mit. Der Umsatz legte dagegen um 14,6 Prozent auf 9,179 Milliarden Euro zu. Dabei überraschten besonders die Ergebnisse der Teilkonzerne. Das eigentlich umsatzstarke und konjunkturunabhängige Pharmageschäft verzeichnete im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang und blieb hinter den Erwartungen zurück. Der um Sondereinflüsse bereinigte Überschuss vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EbitDA) der Berliner Tochter Bayer Schering Pharma ging im zweiten Quartal um 21 Prozent auf 696 Millionen Euro zurück. Dabei machte dem Konzern auch zu schaffen, dass der israelische Generikahersteller Teva ein Nachahmerpräparat der Bayer-Verhütungspille Yaz in den USA auf den Markt gebracht hat. Die Umsatzprognose für 2010 bei Healthcare müsse nach dem unerwarteten Markteintritt eines „generischen Wettbewerbers“ für Yaz insgesamt angepasst werden, teilte Bayer mit. Man rechne in der Pharmasparte nun nur noch mit Umsätzen auf Vorjahresniveau.

Außerdem mehren sich in den USA die Klagen wegen der Bayer-Verhütungsmittel Yaz und Yasmin. 2700 Klagen seien mittlerweile anhängig, teilte Bayer mit. Im April waren es noch 1750 gewesen. Dabei geht es um ein möglicherweise erhöhtes Thrombose-Risiko bei diesen Pillen mit dem Wirkstoff Drospirenon. Die Diskussion war mit ein Grund, warum der Umsatz mit der Produktfamilie, zu der noch das Verhütungsmittel Yasminelle gehört, im zweiten Quartal um 11,1 Prozent auf 289 Millionen Euro zurückging. Die Kosten für Rechtsstreitigkeiten schlagen sich auch in der Bilanz nieder. Im zweiten Quartal standen 255 Millionen Euro Sonderkosten in den Büchern, zum Teil Verteidigungskosten, aber auch Abschreibungen auf ein Krebsmedikament.

Die in der Krise stark gebeutelte Kunststoffsparte erholte sich dagegen im zweiten Quartal überdurchschnittlich stark und war wichtiger Treiber für Umsatz und Gewinn. Das EbitDA der Sparte stieg von 82 Millionen Euro im zweiten Quartal 2009 auf nun 371 Millionen Euro. „Material Science hat die Krise hinter sich gelassen, die Absatzmengen lagen wieder auf Vorkrisenniveau“, sagte der scheidende Vorstandschef Werner Wenning, der im Oktober von Marijn Dekkers abgelöst wird, laut einer Mitteilung. Die Pflanzenschutzsparte enttäuschte dagegen. Hier machten Bayer der strenge Winter und der heiße Frühsommer zu schaffen.

Trotz des Gewinnrückgangs hält der Konzern an seiner Prognose fest: „Wir bleiben für das Jahr 2010 zuversichtlich“, sagte Wenning. Das EbitDA vor Sondereinflüssen soll auf mehr als sieben Milliarden Euro steigen, das bereinigte Ergebnis je Aktie um mehr als 15 Prozent zulegen. Am Markt kamen die Zahlen des Dax-Konzerns zunächst gut an. Nach zwischenzeitlichen Gewinnen schloss die Bayer-Aktie jedoch bei Minus 0,1 Prozent.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben