Trotz Wirtschaftskrise : Eon verdient prächtig und sucht einen Chef

Die Energiebranche gilt als konjunkturunabhängig. Der Verbrauch von Strom und Gas hängt eher von der Witterung ab als vom Geschäftsklima. Dennoch spürt auch der Energiekonzern Eon die Auswirkungen der Wirtschaftskrise.

Düsseldorf Zum Start ins Geschäftsjahr 2009 schrumpfte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im ersten Quartal um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

Rund ein Drittel seines Absatzes macht Deutschlands größter Energiekonzern nach eigenen Angaben mit Industrie- und Gewerbekunden. In der Krise drosseln immer mehr Betriebe ihre Produktion oder stellen sie ganz ein. Die Folge: Der Absatz in diesem Segment sank bei Eon im ersten Quartal um bis zu zehn Prozent. Energiemengen, mit denen der Konzern kalkuliert hatte, muss er nun an den Markt zurückverkaufen – zu geringeren Preisen.

Eon-Chef Wulf Bernotat sprach am Mittwoch von „handfesten Auswirkungen“ der Krise, dennoch gilt der Konzern in Branchenkreisen als gut aufgestellt. Das liegt auch an der internationalen Ausrichtung. In den vergangenen Jahren wuchs Eon durch Zukäufe in Spanien, Italien, Frankreich und Russland stetig.

Die Expansion ist vor allem das Verdienst von Bernotat und sein Vermächtnis. Der Konzernchef hat auf der Hauptversammlung vor wenigen Tagen seinen Abgang für Mai kommenden Jahres verkündet. Bis August soll ein neuer Chef gefunden werden, heißt es aus dem Aufsichtsrat. Dabei scheint kein Zweifel über die Nachfolge zu bestehen. Branchenkenner und auch der Betriebsratsvorsitzende Hans Prüfer gehen davon aus, dass Bernotats Stellvertreter Johannes Teyssen an die Spitze rückt. Der 49-Jährige leitet bereits das operative Geschäft und ist für das umstrittene Sparprogramm verantwortlich, das im vergangenen Herbst beschlossen wurde. Damit will Eon ab 2011 jährlich 1,5 Milliarden Euro sparen. Knapp 19 000 Unterschriften gegen das Programm hat der Betriebsrat bereits gesammelt. „Die Mitarbeiter haben Sorgen um ihren Job“, sagt Prüfer.

Strategisch erwartet Matthias Cord, Energieexperte der Beratungsfirma A.T. Kearney, dass Eon künftig mehr auf die Produktion und den Handel mit Energie setzt als auf den Vertrieb beim Kunden. „In diesen Feldern ist Eon hervorragend positioniert“, sagt Cord. dcl

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