Wirtschaft : Trotz zahlreicher Anbieter bevorzugen die Sparer noch den persönlichen Kontakt in den Filialen

Peter Hein

Über ein Dutzend Direktbanken kämpfen in Deutschland mittlerweile um die Gunst der Kunden. Ihr gemeinsames Kennzeichen: Eine Kassenhalle mit Mitarbeitern gibt es nicht. Wer mit den Banken neuen Typs Geschäfte machen will, muss das per Telefon, Fax oder Internet tun.

Die Angebotspalette der einzelnen Anbieter unterscheidet sich dabei zum Teil erheblich. Kaum ein Institut deckt die gesamte Palette aller Bankdienstleistungen ab. Die meisten beschränken sich auf Sparanlagen, Kredite und Wertpapiergeschäfte. Girokonten offerieren zwar über die Hälfte der neuen Geldhäuser. Doch der Erfolg hält sich bislang in Grenzen.

Per Telefon oder Computer Schecks bestellen, Überweisungen aufgeben oder Daueraufträge ändern ist nicht jedermanns Sache. Viele Kunden bleiben da lieber bei der Filiale um die Ecke. Anders sieht es da schon bei den Sparangeboten aus. Ausführliche Erklärungen oder Beratung sind dabei nur selten gefragt.

Was für die meisten Interessenten zählt, ist der Zins - und dort können die Direktbanken überzeugen. Für ihre Tagesgeldkonten, Sparbriefe und Termineinlagen zahlen sie je nach Laufzeit und Institut zwischen einem viertel und einem halben Prozent mehr als die traditionellen Banken.

Einige Institute wie etwa die Santander Direkt Bank bieten sogar höher verzinste Währungsanlagen zum Beispiel in US-Dollar oder südafrikanischen Rand an. Dann allerdings muss der Anleger Kursrisiken in Kauf nehmen. Ansonsten brauchen sich Direktbankkunden aber keine Sorgen um ihr Geld zu machen. Anlagen bei deutschen Instituten sind durch Einlagensicherungsfonds geschützt.

Einziger Schönheitsfehler bei den Telefoninstituten: die zum Teil umständliche und zeitraubende Prozedur bei der Kontoeröffnung. Die notwendigen Unterlagen müssen meist erst angefordert, ausgefüllt und dann wieder auf dem Postwege zurückgeschickt werden. Die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung der Legitimation erfolgt dabei per Einschreiben mit Rückschein oder direkt in einer Postfiliale. Bis der Antrag bearbeitet und das Geld überwiesen ist, können daher schon mal zwei Wochen vergehen. Ärgerlich, wenn sich bis dahin die Konditionen zum Nachteil des Anlegers verändert haben.

Auch die Bearbeitung von Ratenkrediten läuft ähnlich. Alle nötigen Unterlagen wie zum Beispiel Verdienstabrechnungen muss der Kunde auf dem Postwege einreichen. Danach aber gibt es keine Unterschiede zur Filialkonkurrenz. Ist das Darlehen bewilligt, wird das Geld auf dem Girokonto ausgezahlt und die Raten per Lastschrift monatlich abgebucht. Wer momentan etwas klamm ist, sollte aber beachten, dass Banken, die hohe Sparzinsen zahlen, oftmals auch bei den Kreditzinsen ordentlich zulangen. Mitunter sind die Banken vor Ort bei den Sollzinsen günstiger als die Direktanbieter.

Konkurrenzlos günstige Angebote machen die neuen Institute aber im Wertpapierbereich. Consors oder die Direkt Anlage Bank haben sich sogar ganz auf den Kauf und Verkauf von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren spezialisiert. Die Provisionssätze, die sie dafür verlangen, liegen meilenweit unter denen der traditionellen Banken. Während der Anleger in der Filiale für den Kauf von Aktien in der Regel ein Prozent und bei Renten ein halbes Prozent des Kurs- beziehungsweise des Nennwertes zahlt, kommt er bei den Discountbrokern im Schnitt für die Hälfte weg.

Diese ohnehin günstigen Konditionen werden noch mal unterboten, wenn er seine Orders per Computer über das Internet aufgibt. Um wieviel genau läßt sich nur für den Einzelfall sagen. Bei ihren Preismodellen beweisen die meisten Anbieter nämlich Erfindungsreichtum. Während zum Beispiel die Comdirect Bank mit einen mit einem festen Prozentsatz arbeitet, verwendet die Direkt Anlage Bank ein Staffelpreismodell: Je größer die Order, desto geringer wird der Spesensatz. Dazu kommt allerdings in jedem Fall noch ein fester Basispreis. So unterschiedlich wie die einzelnen Preismodelle sind dann auch die Nachlässe für Onlineorders: Mal sinkt der Basispreis, in anderen Fällen gehen die Prozentsätze runter oder beides.

Ein Beispiel: Bei der Comdirect kostet eine telefonische Aktienorder über 5000 Mark an der deutschen Börse 24,50 Mark. Bei einem Onlineauftrag sinkt der Preis auf 20,50 Mark. Bei der Konkurrenz wie Consors oder Fimatex wird in diesem Fall sogar noch weniger als 20 Mark fällig. Dazu kommen dann noch die Kosten für den Internetanschluss nebst Nutzungsgebühren und natürlich die Telekommunikationskosten.

Der Haken in allen Fällen ist, dass die Discounter keinerlei Beratung anbieten. Der Kunde muss selbst wissen, welche Werte er ins Depot nehmen will und was er lieber verkauft. Wer seine Wertpapierabteilung per PC besucht, kann diesen Nachteil aber oftmals verschmerzen. Die reinrassigen Discounbtbroker bieten auf ihrer Homepage eine Fülle von aktuellen Wirtschaftsmeldungen, Analystenmeinungen und Börsennachrichten an. Dazu gibt es den aktuellen Depotstand frei Haus. Gegen Aufpreis bekommen die PC-Kunden sogar ein professionelles Informationsangebot: Börsenkurse ohne Zeitverzögerung (realtime) oder aktuelle Wirtschaftsmeldungen rund um die Uhr von einer Nachrichtenagentur.

Anleger, die auf das schnelle Geld an der Börse aus sind, werden von den Discountern sogar geradezu verwöhnt. Sie können dort so genannte Intraday-Geschäfte machen: Eine Aktie oder einen Optionsschein, den sie gekauft haben, können sie noch am gleichen Tag wieder verkaufen. Einige Häuser bieten außerdem Handelsmöglichkeiten auch nach dem offiziellen Börsenschluss bis in die späten Abendstunden hinein an. Aber auch wer sein Geld etwas ruhiger anlegen will, wird bei den Discountern fündig. Viele haben mittlerweile hunderte von Investmentfonds in ihrem Programm, bei denen der Anleger einen Rabatt auf den Ausgabeaufschlag erhält.

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