Wirtschaft : Trotzdem droht nach der Währungsunion keine Instabilität, beruhigen die Experten

jhw

In den elf Staaten Eurolands gibt es erhebliche Unterschiede der Inflationsraten. Kann die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt (Main) unter diesen Umständen wirklich die Stabilität des Geldwerts garantieren? Oder drohen etwa Risiken für den Euro- und für die Investitionssicherheit der Unternehmen, ihre Gewinne und ihre Börsenkurse?

In der Eurozone lagen die Preise 1998/99 um rund 0,9 Prozent über denen der Vorjahresmonate. Doch während die Preise in Deutschland und Frankreich um 0,4 Prozent zunahmen, stiegen sie in den boomenden Volkswirtschaften Irlands und Portugals um 2,3 und 2,4 Prozent. Darauf weist die EZB in ihrem aktuellen Monatsbericht hin. Allerdings, so die Volkswirte, seien die Inflationsunterschiede im historischen Vergleich gering. Schließlich betrugen sie in den 80er Jahren mehr als zehn Prozentpunkte. Nach Auffassung der EZB kann die Geldpolitik nur auf das Ziel der Preisstabilität im gesamten Eurogebiet ausgerichtet sein. Daher ist sie nicht in der Lage, die Unterschiede zwischen den einzelnen Gebieten zu beeinflussen. Doch deswegen, beruhigen die Experten, brauche sich niemand um die Rückkehr der Inflation nach Europa zu sorgen: Sogar in einer alten Währungsunion wie den USA gebe es "zeitweise ganz erhebliche Inflationsunterschiede" von sieben Prozentpunkten Anfang der 80er Jahre.

Gleichwohl gebe es eine Tendenz dahin, dass sich die Preise im Währungsraum annähern - wie die EZB-Forscher am Beispiel der Autopreise belegen. Die zusammenwachsenden Märkte über nationale Grenzen hinweg hätten zu kleineren Preisunterschieden geführt. Lange Zeit verlangten Autohersteller für dasselbe Modell in verschiedenen Ländern unterschiedliche Preise. In der Praxis segementierten sie ihren Markt und berechneten in wohlhabenderen Ländern höhere Preise. Inzwischen haben die Preisunterschiede deutlich abgenommen. Ein Grund dafür war die neu entstandene Wiederverkäuferbranche, die Preisunterschiede etwa zwischen den Niederlanden und Deutschland ausnutzte. Allerdings schreibt die EZB, die Preise hätten sich nicht nach unten angeglichen. Viele Hersteller haben es laut EU-Kommission vorgezogen, die Preise in preiswerten Märkten anzuheben, anstatt sie in teuren Märkten zu senken.

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