Wirtschaft : Trübe Aussichten für die deutschen Banken

FRANKFURT (rtr).Die deutschen Banken werden nach Einschätzung von Analysten nach einem durchwachsenen Jahr 1998 auch an den Ergebnissen im laufenden Jahr wenig Grund zur Freude haben.Insbesondere die Risiken in Lateinamerika und die Abschwächung in Europa bieten wenig Aussicht für Gewinnwachstum, hieß es.Die Analysten geben den deutschen Bankaktien wenig Chancen, die zu Beginn der Rußland-Krise im Sommer letzten Jahres erlittenen Kursstürze wieder wettzumachen.

Auch nach den Commerzbank-Ergebnissen vom Montag bleiben die Analysten bei ihrer düsteren Einschätzung für den Bankensektor.Die Commerzbank hatte ihren Jahresüberschuß 1998 um 47 Prozent von 1,271 Mrd.Mark auf 1,874 Mrd.DM gesteigert."Man kann selbst bei dem gegenwärtigen Kursniveau keine Begründung finden, jetzt in großem Umfang Bankaktien zu kaufen", sagte ABN-Amro-Bankanalyst Bryan Crossley.Die Banken hätten zur Zeit wenig Spielraum, ihre Risikovorsorge zu reduzieren.Gleichzeitig dürften die Zins- und Provisionsüberschüsse langsamer wachsen als in den vergangenen Jahren, sagte Crossley."Die entscheidende Frage ist, ob die Banken ihre Kosten senken können."

Das Ergebnis der Commerzbank lag zwar über den Erwartungen der Analysten, allerdings hatte der Verkauf von Beteiligungen den Gewinn um etwa eine Milliarde Mark erhöht.Dazu zählt unter anderem der Verkauf der 40prozentigen Beteiligung an der Leonberger Bausparkasse an die Württembergische Versicherungsgruppe.

Die Deutsche Bank wird ihre vorläufigen Geschäftszahlen für 1998 am 17.Februar veröffentlichen.Dresdner Bank und Hypovereinsbank werden dann beide am 23.Februar ihre Ergebnisse bekanntgeben.

"Das Kerngeschäft der Banken wird nicht gut ausfallen, aber bei dem gegenwärtigen Kursniveau gibt es auch nicht mehr viel Potential für Rückgänge", sagte Ulrich Horstmann vom Bankhaus Merck Finck & Co.Er erwartet für die Deutsche Bank ein Ergebnis je Aktie von 3,15 Euro nach 0,92 Euro in 1998, hauptsächlich bedingt durch die Daimler-Benz-Sonderdividende in Höhe von 3,2 Mrd.Mark.Für 1999 erwartet Horstmann einen Rückgang des Gewinns je Aktie auf 2,91 Euro aufgrund der Risiken im Lateinamerika-Geschäft.Horstmann stuft die Deutsche Bank als marktbestimmendes Papier ein.Er rechnet für die Dresdner Bank AG mit einem Rückgang des Gewinns je Aktie auf 1,02 Euro für 1998 gegenüber 1,53 Euro 1997.Crossley von ABN Amro stuft dagegen die Dresdner Bank auf "Halteposition" ein.Er sieht vor allem in den fortschreitenden Kosteneinsparungen der Deutschen Bank in 1998 ein positives Zeichen.

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