Wirtschaft : Trübe Prognose von Nokia

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Helsinki (beh/dpa). Die allgemeine Konjunkturschwäche und die Sättigung der internationalen Handy-Märkte belasten das Geschäft des finnischen Technologie-Konzerns Nokia. In einer mit Spannung erwarteten Mitteilung über die Entwicklung im laufenden Quartal berichtete Nokia am Dienstag von sinkenden Umsätzen. Der Gewinn soll allerdings leicht steigen. Die internationalen Aktienmärkte nahmen die Prognose daher gelassen auf. Die Kurse der Technologieaktien lagen am frühen Nachmittag mehrheitlich im Plus. Nokia-Aktien gerieten dagegen leicht unter Druck.

Der finnische Handy-Marktführer erwartet im laufenden Quartal einen Umsatzrückgang von zwei bis sechs Prozent auf 6,9 Milliarden bis 7,2 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte Nokia mit einem Wachstum von zwei bis sieben Prozent gerechnet. Während der Umsatz mit Telefonen nur um bis zu vier Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2001 sinken dürfte, rechnet der Konzern bei seiner Netzwerksparte mit deutlich höheren Einbrüchen. Um 20 bis 25 Prozent werden die Erlöse hier sinken, prognostizierte Nokia. Die Vorsicht der Kunden bei Investitionen führe zu diesem deutlichen Rückgang. Ursprünglich hatte Nokia nur mit einem Rückgang um fünf bis zehn Prozent im laufenden Quartal gerechnet.

Der Gewinn soll von den Umsatzrückgängen nicht belastet werden. Nokia prognostizierte ein Ergebnis von 18 bis 20 Euro-Cent je Aktie verglichen mit 17 Cent im zweiten Quartal des Vorjahres.

Für den gesamten Handy-Markt erwartet der finnische Branchenführer für den Zeitraum von April bis Juni ein Wachstum von fünf Prozent verglichen mit dem ersten Quartal des Jahres. Seinerzeit waren 89 Millionen Mobiltelefone weltweit verkauft worden. Seinen eigenen Marktanteil will der finnische Konzern auf 38 Prozent steigern.

Die Börsianer waren trotz der Umsatzrückgänge zufrieden mit den Nokia-Zahlen. Die Sorge um schlechte Nachrichten von Nokia sei nun aus dem Markt; die Prognosen seien im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, sagte der Aktienstratege Giuseppe Amato vom Wertpapierhaus Lang & Schwarz. Viele Experten hatten Schlimmeres erwartet. Es gab zudem zuversichtliche Stimmen zu dem Sektor. So haben die Analysten von Morgan Stanley die Beurteilung des Technologiesektors von „Untergewichten“ auf „Neutral“ angehoben. Bei den Technologiewerten handele es um eine zyklische Gruppe, und eine Reihe der zyklischen Indikatoren deute auf einen Umschwung hin.

Der weltgrößte Chip-Hersteller Intel sowie der schwedische Nokia-Konkurrent Ericsson konnten in der vergangenen Woche nur einen schwachen Ausblick geben und belasteten die Kurse der Hightech-Aktien. Zudem hatte der Chip-Herstellers RF Micro Devices, dessen größter Kunde Nokia ist, am vergangenen Freitag eine Gewinnwarnung ausgesprochen.

Die Handy-Hersteller leiden seit dem vergangenen Jahr unter einer Sättigung der meisten Märkte. Vor allem in Europa, aber auch in den USA sehen Kunden angesichts bevorstehender neuer Technologien derzeit noch keine Veranlassung, sich neue Mobiltelefone zu kaufen. Zudem verteuerten sich die Geräte beispielsweise in Deutschland durch die weggefallenen Subventionen der Mobilfunkbetreiber. So ging der weltweite Absatz von Mobiltelefonen laut Berechnungen der Marktforscher von Gartner Dataquest im vergangenen Jahr erstmals zurück, und zwar um 3,2 Prozent zurück. 399,6 Millionen Geräte wurden verkauft, im Jahr zuvor waren es noch 412,7 Millionen. Anfang 2001 waren die Hersteller noch von einem Absatz über 500 Millionen Stück ausgegangen. Auch Nokia musste seine Umsatzprognosen bereits mehrmals reduzieren. Andere Hersteller hat die Krise jedoch weitaus härter erwischt als die Finnen. So produzieren Ericsson und Sony ihre Handys inzwischen gemeinsam. Die namhaften Produzenten haben im vergangenen Jahr zudem Tausende von Arbeitsplätzen abgebaut.

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