Wirtschaft : Trügerischer Glanz

Für Sportler zählt bei einer olympischen

Für Sportler zählt bei einer olympischen Goldmedaille vor allem der ideelle Wert. Wirtschaftsjournalisten dagegen fragen nach dem Materialwert der glitzernden Trophäe. Und da ist die Enttäuschung zunächst groß: Die Goldmedaille ist nämlich gar nicht aus Gold. Sie ist nur aus Silber, das mit einer dünnen Goldschicht überzogen ist.

Genau sechs Gramm Gold enthält eine Medaille nach Angaben des Olympischen Komitees. Ein Gramm Gold kostete am Freitag 14,85 Euro. Sechs Gramm sind also 89,10 Euro wert. Um den Medaillenwert fair zu bestimmen, muss noch das Silber hinzugerechnet werden. Das Olympische Komitee sagt nicht, wie viel Silber eine Medaille enthält. Es gibt nur die Maße der Medaillen an: Sie hat einen Durchmesser von 60 Millimetern und ist drei Millimeter dick. Das Gewicht muss also aus dem Volumen bestimmt werden.

Die Fläche eines Kreises berechnet sich aus dem quadrierten Radius mal der Konstante Pi. Der Radius ist die Hälfte des Durchmessers, also 30 Millimeter. Quadriert ergibt das 900 Quadratmillimeter. Mit Pi multipliziert: 2826 Quadratmillimeter. Bei drei Millimetern Höhe: 8478 Kubikmillimeter, das sind rund 8,5 Kubikzentimeter.

Um den Silbergehalt einer Goldmedaille zu bestimmen, wird zunächst deren Goldgehalt abgezogen. Die Dichte von Gold beträgt 19,3 Gramm je Kubikzentimeter. Sechs Gramm Gold haben also ein Volumen von 0,3 Kubikzentimeter. Eine Goldmedaille enthält folglich 8,2 Kubikzentimeter Silber. Die Dichte von Silber beträgt 10,5 Gramm pro Kubikzentimeter. 8,2 Kubikzentimeter sind somit 86,1 Gramm schwer. Ein Gramm Silber kostet 28 Cent, 86,1 Gramm Silber folglich 24,11 Euro. Der kombinierte Wert des Goldes und Silbers einer olympischen Goldmedaille beträgt somit 113,21 Euro.

Das zeigt: Andreas Wecker hat ein schlechtes Geschäft gemacht. Der Turner hat bei den Olympischen Spielen von 1988, 1992 und 1996 eine Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen gewonnen. Drei davon, darunter die Goldmedaille, hat er Presseberichten zufolge im Januar im Internet versteigert. Er soll dafür nur 26,37 Euro erhalten haben – also nicht mal ein Viertel allein des Goldmedaillenwerts.

Friedrich Geiger berechnet den Wert

einer olympischen Goldmedaille

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