Wirtschaft : Trunkenheit

Wolfgang Prosinger

40 Jahre hat er alt werden müssen, bis er ihm endlich auf die Spur kam. Aber jetzt will es Robert, der Dramaturg, wissen. Will wissen, wer sein Vater ist, den er nie kannte. So beginnt das Abenteuer einer Suche, die den Vaterlosen nach London führt, nach Sils-Maria in die Schweiz, in die Karibik. Eine Reise der Begegnungen: mit einem greisenhaften, kranken Vater, mit einer rätselhaften Sippschaft, mit exotischen Wunderwelten und – weil eine Vatersuche immer eine Selbstsuche ist – mit den eigenen unerforschten Wurzeln. Martin R. Dean, der Schweizer Schriftsteller, hat einen Roman geschrieben, in dem sich wie schon in seinen früheren Büchern Autobiografisches mit vehementer Fabulierlust mischt. Gerade die aber wird zur Fessel des Romans. Als der Ich-Erzähler auf seiner Suche nicht nur die Geliebte Navira, sondern auch Europa verlässt und in karibische Turbulenzen eintaucht, gibt Dean auch die strenge Erzählform auf, wirbelt Handlungs- und Zeitebenen durcheinander und ergibt sich zuletzt delirierenden Trunkenheiten. Das ernste Anliegen geht unter im Karneval immer beliebigerer Ironien. Den Vater gefunden, die Geschichte verloren.

Martin R. Dean: Meine Väter. Roman. Hanser, München. 398 Seiten, 24,90 €.

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