Wirtschaft : TRUST2CORE

Besser könnte die Stimmungslage für das neue „Kanzlerinnenhandy“ von Trust2Core kaum sein. Der Skandal um millionenfach mitgeschnüffelte Mails und Telefongespräche durch die US-amerikanische NSA hat eine große Debatte über die Sicherheit von Kommunikation ausgelöst. „Handys sind längst ein Eldorado für Hacker und die Angriffsfläche für Cybercrime“, sagt Trust2Core-Geschäftsführer Christoph Peylo. Das Start-up, eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Telekom, hat seit seiner Gründung zwei Jahre lang an einer Lösung für dieses Problem geforscht und gebastelt. Das Ergebnis soll eine sichere mobile Kommunikation garantieren und heißt Simko3.

   Den informellen Namen Kanzlerinnenhandy verdankt es einer Ausschreibung der Bundesregierung, die in Zukunft bis zu 10 000 Geräte für das Kanzleramt und die Ministerien abnehmen wird – als erster Kunde überhaupt. „Ob es vielleicht demnächst ein Kanzlerhandy ist, wissen wir natürlich nicht“, schränkt Peylo ein. Äußerlich gleicht das Gerät einem handelsüblichen Samsung S3-Smartphone, im Inneren allerdings stecken genau genommen zwei Handys: ein unsicheres, auf dem alle üblichen Apps funktionieren, und ein sicheres, über das die Telefongespräche, Mails und Kurzmitteilungen laufen.

   „Dieser sichere Teil ist für Viren und andere Malware nicht zu knacken“, verspricht Peylo. Ermöglicht wird das durch einen zwischengeschalteten „micro kernel“, eine Art unerbittlichen Türsteher im Handy. Dessen Quellcode liegt mit nur 40 000 Zeichen deutlich unter den 1,5 Millionen Zeichen des Linux-Betriebssystems und ist daher deutlich schwieriger anzugreifen. Die Zulassung der Trust2Core-Technik durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nennt Peylo eine reine Formsache der nächsten Tage.

   Der Preis für ein Kanzlerinnenhandy liegt bei rund 1500 Euro zuzüglich monatlicher Kosten für die Übertragung der Kommunikation über besonders sichere Server. Im freien Handel werde es das Smartphone voraussichtlich erst Ende 2014 geben, schätzt Peylo. Gerne würde das Start-up seine Technik künftig auch in die iPhones von Apple bauen, „aber das ist technisch und verhandlungstechnisch etwas schwieriger“. In jedem Fall profitiere Trust2Core von seiner eigenen großen Mutter, der Deutschen Telekom, die im Einkauf und im Vertrieb den Türöffner spielt. „Als isoliertes Start-up hätten wir einen deutlich schwereren Stand“, ist Peylo überzeugt. Noch trage sich Trust2Core nicht selbst, da sei das Geld vom Mutterkonzern eine entscheidende Hilfe.

www.trust2core.de

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