Tücken des Alltags : Bahn-Card-Kauf: „So einfach geht das nicht“

In unserer neuen Serie widmen sich Tagesspiegel-Redakteure den Tücken des Alltags. In Folge Eins versucht Heike Jahberg verzweifelt, eine Familien-Bahn-Card zu verlängern.

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Tücken des Alltags.
Tücken des Alltags.Grafik: Tsp

Wir fahren Bahn. Das Auto haben wir schon vor Jahren abgeschafft. Um zu sparen, besitzen wir eine Bahn-Card 25. Für Familien gibt es die billiger: Ein Erwachsener zahlt den vollen Preis von 62 Euro, der Ehepartner und ein Kind dann jeweils nur noch zehn Euro. Voraussetzung: Ein Kind in der Familie muss minderjährig sein. Bei uns ging das jahrelang gut. Dann wurde der große Junge 18. Kürzlich kam eine Mail vom Bahn-Card-Service. Weil unser Sohn volljährig sei, ginge das leider nicht mehr mit den verbilligten Zusatzkarten.

Auch die Tochter ist im besten Bahn-Card-Zusatzkarten-Ermäßigungsalter

Was die Bahn-Leute nicht wussten: Neben dem großen Jungen habe ich auch noch eine Tochter. Die ist 14 Jahre alt und damit im besten Bahn-Zusatzkarten-Ermäßigungsalter. Ich schrieb der Service-Stelle zurück, sie sollten doch statt meines Sohnes einfach meine Tochter in das Arrangement aufnehmen und die Karten wie gewohnt zuschicken. Statt der Karten bekam ich eine Mail zurück. So einfach gehe das leider nicht. Richtig verstanden habe ich das Schreiben nicht, also rief ich die Hotline an. Der freundliche Mensch am Telefon verwies mich auf das Schalterpersonal an den Bahnhöfen. Die würden das schon regeln. Ich solle nur alle alten Bahn-Cards mitbringen, alles Weitere sei ein Klacks.

Am Serviceschalter im Bahnhof Zoo weiß man von nichts

Am Bahnhof Zoo wusste die Servicemitarbeiterin am Schalter allerdings von nichts und schickte meinen Gatten, der die Sache vorübergehend übernommen hatte, davon. Eine Familien-Bahn-Card gebe es überhaupt nicht. Tags drauf versuchte ich, das Missverständnis am Bahnhof Südkreuz aufzuklären. Dort wusste man zwar, was ich meinte, schickte mich aber dennoch davon. Ich müsse erst die neue Bahn-Card haben, erst dann könne ich die Zusatzkarten für Mann und Tochter beantragen. Und nicht vergessen: Beim nächsten Mal alle Personalausweise mitbringen!

"Wo ist der Kindergeldbescheid?", fragt die Bahnmitarbeiterin hinter dem Tresen

Die neue Bahn-Card kam am nächsten Tag per Post. Ich steckte die Personalausweise der Familienmitglieder ein, sämtliche alten und neuen Bahn-Cards sowie den Rechnungsbeleg der neuen Karte und ging zum Service-Center am Bahnhof Zoo. „Wo ist der Kindergeldbescheid?“, fragte die Mitarbeiterin hinter dem Schalter. Den hatte ich natürlich nicht dabei. „Eigentlich müsste ich jetzt Schluss machen“, sagte die Dame hinter dem Tresen. Verzweiflung stieg in mir auf, ich sah die Karten in weite Ferne rücken. Was würde beim nächsten Mal fehlen? Der Steuerbescheid, die Krankenkassenkarte, der Schülerausweis? In dem Moment tippte die Bahnmitarbeiterin weiter, druckte die vorläufigen Karten aus, alles war gut. Danke. „Wir fahren Bahn, weil wir Abenteuer lieben“, hieß es einmal auf dem Werbeplakat der Bahn. Heute weiß ich: Das wahre Abenteuer beginnt weit vor der Fahrt.

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