Wirtschaft : Türkei: Weniger Devisen aus dem Ausland

Türkische Gastarbeiter in Deutschland und anderen Ländern zögern nach Presseinformationen mit Investitionen in ihrem Heimatland. Die Überweisungen der Türken im Ausland seien von 2,2 Milliarden US-Dollar (4,7 Milliarden Mark) im ersten Halbjahr 2000 auf 1,5 Milliarden Dollar oder 3,2 Milliarden Mark in den ersten sechs Monaten 2001 gesunken, berichtete die türkische Zeitung "Sabah" unter Berufung auf die Zentralbank des Landes. Offenbar verzichteten immer mehr Gastarbeiter darauf, ihr Geld in der Türkei anzulegen, weil viele zuletzt mit Investitionen bei türkischen Unternehmen Schiffbruch erlitten hätten, hieß es zur Begründung. Die Überweisungen der Gastarbeiter sind eine wichtige Devisenquelle für die Türkei. Laut "Sabah" betrug die Gesamtsumme dieser Gelder von 1990 bis 2000 knapp 41 Milliarden Dollar (88 Milliarden Mark). Die Überweisungen sind schon seit 1998 rückläufig. Nach dem damaligen Höhepunkt von 5,4 Milliarden Dollar waren es im vergangenen Jahr nur noch 4,6 Milliarden Dollar. Beim Bruttosozialprodukt (BSP), das neben dem Inlandsprodukt (BIP) auch die Einkommensbewegungen mit dem Ausland enthält, dürften sich die geringeren Überweisungen bereits bemerkbar gemacht haben. Nach Angaben der türkischen Statistikbehörde sank das BSP im ersten Halbjahr 2001 im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent. Es schrumpfte damit stärker als das BIP, das sich um 6,1 Prozent verminderte. Die Daten spiegeln die Finanzkrise der Türkei wider, die ihren Gipfel im Februar erreichte und zu einer Abwertung der türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar geführt hat. Für das Gesamtjahr rechnet die Regierung mit einem Rückgang des BSP um 5,5 Prozent.

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