Wirtschaft : Türkischer Aktienmarkt: Technologiewerte sind im Kommen

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Mit türkischen Aktien hat sich in diesem Jahr bislang kaum Gewinn machen lassen. Nachdem er am 17. Januar seinen historischen Gipfel erklommen hatte, verlor der ISE-100-Index bis dato fast 37 Prozent. Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa elf sei die Börse Istanbul inzwischen unterbewertet, nicht nur im Vergleich zu anderen Märkten der Region, sondern auch gemessen an anderen Emerging Markets, sagt Mürat Ünal. Der Manager des "Türkei 75 Plus"Fonds der Ceros Vermögensverwaltung sieht besondere Wachstumschancen im Technologiebereich.

Analysten internationaler Investmenthäuser betonen, dass die Türkei ihr Image vom politisch unsicheren und problembehafteten Schwellenland mit starker AgrarAusrichtung allmählich ablege. Von der Weltöffentlichkeit kaum registriert, wandelt sich die siebzehntgrößte Volkswirtschaft der Welt zu einem modernen Industriestaat. Kein Wunder also, dass die Analysten sowohl von Salomon Smith Barney als auch von Credit Suisse First Boston (CSFB) auf die enormen Chancen aufmerksam machen, die zum Beispiel der türkische Internet-Markt bietet.

Die Türkei ist das Land, das bei der Nutzung moderner Technologien weltweit die größten Wachstumsraten verzeichnet. Aus einer Studie der US-Forschungsgesellschaft Roper Starch Worldwide geht hervor, dass der Anteil der Türken, die einen PC besitzen, im Zeitraum von 1998 bis zum Frühjahr dieses Jahres von 14 Prozent auf 26 Prozent gestiegen ist. In der gleichen Zeit sei der Anteil der Internet-Nutzer von fünf Prozent auf 19 Prozent in die Höhe geschnellt. In absoluten Zahlen ausgedrückt, entspricht das rund 13 Millionen Menschen. In den USA nutzen 44 Prozent der Bevölkerung das Internet, in Deutschland 23 Prozent. Besonders beeindruckend ist die Geschwindigkeit, mit der die die Türkei die Technologie-Revolution umsetzt. Dies lässt sich auch demografisch erklären: Rund 70 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre, was die Akzeptanz moderner Technologien erleichtert. Auch die aktuellen Zahlen über die Entwicklung im Mobilfunk bestätigen die Aufgeschlossenheit der Türken gegenüber den neuen Technologien: Die Zahl der Mobilfunk-Nutzer beläuft sich auf mehr als 11 Millionen.

So verwundert es nicht, dass auch die Aussichten der in Istanbul gehandelten Technologie-Aktien zunehmend positiv beurteilt werden. Der anstehenden Privatisierung der Türk Telekom gilt in internationalen Finanzkreisen die größte Aufmerksamkeit. "Mit dem Ausbau der Infrastruktur der Türk Telekom, die im vierten Quartal im ersten Schritt teilprivatisiert wird, wird ein sich bisher auf das Expansionstempo eher negativ auswirkender Faktor beseitigt", sagt Murat Ünal.

Afa Boran von CSFB geht davon aus, dass sich der türkische Internet-Markt zu einem der größten in dieser Region entwickeln wird. "Bis Ende des Jahres 2005 dürfte es in der Türkei rund 16,5 Millionen InternetNutzer geben", lautet die Prognose des Experten. Das im "Business-to-Consumer"-Geschäft erreichte elektronische Handelsvolumen werde dann schätzungsweise bei rund 8,3 Milliarden Dollar liegen.

Mit konkreten Anlagestrategien hält sich Boran allerdings zurück. Die meisten türkischen Konglomerate haben inzwischen eigene Tochtergesellschaften gegründet, die die auf dem Internet- und Technologiemarkt existierenden Chancen nutzen sollen. Bis türkische Internet-Anbieter an die Börse gehen, bieten sich, so Haluk Akdogan von Salomon Smith Barney, Kapitalanlagen in Muttergesellschaften wie Yapi Kredi, Vestel, Sabanci Holding und Garanti Bankasi an.

Der Börsengang des türkischen Mobilfunkanbieters Turkcell, an dem die finnische Sonera 37,3 Prozent der Anteile hält, enttäuschte die hochgesteckten Erwartungen. Lag der Emissionspreis Mitte Juli bei 44 000 türkischen Lire, werden die Anteilsscheine gegenwärtig nur noch mit 33 000 Lire notiert. Die Emissionsbank Morgan Stanley Dean Witter (MSDW) stuft den Titel unverdrossen als "überdurchschnittlich" ein.

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