Wirtschaft : Tui bangt um seinen Platz im Dax Ob Hapag-Lloyd an die Börse geht, ist ungewiss

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Moskau/Hannover Der Tourismuskonzern Tui hat noch nicht endgültig über den Börsengang seiner Tochter Hapag-Lloyd entschieden. Tui-Vorstandschef Michael Frenzel machte am Rande eines Besuchs in Moskau erneut deutlich, dass allein die Marktbedingungen über den Börsengang der Schifffahrtstochter entscheiden. Das Handelsblatt hatte den Tui-Chef mit den Worten zitiert, man benötige den Börsengang inzwischen nicht mehr zur Schuldentilgung. Tui habe sich kürzlich über zwei Anleihen im Wert von 400 und 625 Millionen Euro durchfinanziert und verfüge jetzt über eine stabile Finanzstruktur. Als Zeitpunkt für einen Börsengang von Hapag-Lloyd ist die zweite Jahreshälfte, ins Auge gefasst.

Tui will bei einem Börsengang rund ein Drittel der Hapag-Lloyd-Anteile an die Börse bringen. Bei einer positiven Resonanz der Investoren könnte aber auch bis zu 49,9 Prozent aufgestockt werden. Grundsätzlich hatte Frenzel auch einen Verkauf von Hapag-Lloyd nicht ausgeschlossen.

Nachrichten über eine mögliche Übernahme des gesamten Tui-Konzerns hatten erst am Donnerstag die Verwundbarkeit des Touristikunternehmens offenbart. Die Investmentbank Morgan Stanley hatte am Mittwoch zehn Prozent der Tui-Aktien aufgekauft. Jetzt wird darüber gerätselt, wer dahinter steckt. Wahrscheinlich ist, dass so genannte Hedge-Fonds sich die Aktien bei Morgan Stanley leihen wollten, um auf einen fallenden Kurs der Aktie zu spekulieren und daran zu verdienen. Der Kurs der Tui-Papiere befindet sich schon seit längerem auf Abwärtskurs. Je weiter der Kurs sinkt, desto unwahrscheinlicher wird der Verbleib im Dax. Denn damit sinkt auch der Marktwert des Streubesitzes, der neben dem Börsenumsatz das ausschlaggebende Kriterium für die Dax-Aufnahme ist. Am 20. September entscheidet die Deutsche Börse, ob Tui im Deutschen Aktienindex notiert bleibt. Fliegt die Tui aus dem Dax, dürfte der Kurs weiter sinken – darauf spekulieren Hedge-Fonds.

Die andere Spekulation über den Aktienkauf von Morgan Stanley ist, dass ein Großinvestor dahinter steckt, der die Tui übernehmen möchte. Bisher waren dafür vor allem der Oetker-Konzern und der Tchibo-Erbe Günter Herz im Gespräch. Beide dementierten jedoch. Tui-Chef Frenzel hatte gesagt, er könne einen Übernahmeversuch nicht ausschließen. Eine Übernahme ist aber deshalb unwahrscheinlich, weil die WestLB noch ein 31-prozentiges Tui-Aktienpaket besitzt – und dieses nicht unter dem Preis von 16,50 Euro verkaufen möchte. Ein Käufer müsste den anderen Aktionären das gleiche Angebot machen. Am Freitag notierten Tui-Papiere bei 14,24 Euro, ein Plus von fünf Prozent. Klarheit über den Käufer des Aktienpakets wird es wohl erst am 20. September geben. fw/dpa

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