Wirtschaft : Tui belohnt Frühbucher

Touristikkonzern sagt Last Minute den Kampf an und senkt Preise um 11,5 Prozent / Andere Firmen ziehen nach

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Berlin (fw). Touristen können im Winter deutlich billiger in den Urlaub fahren als im Vorjahr. Der weltgrößte Reisekonzern Tui kündigte am Montag eine neue Preisstrategie an. Zur Wintersaison will die Tui ihre Katalogpreise um durchschnittlich 11,5 Prozent senken, sagte TuiDeutschland-Chef Volker Böttcher am Montag in Hannover. Auch bei der Rewe-Touristik (Jahn Reisen, Tjaereborg, ITS) und der FTI-Frosch-Touristik werden die Reisen im Winter günstiger. „Bei uns wird es auf breiter Front hohe Preisermäßigungen geben“, sagte eine Rewe-Sprecherin dem Tagesspiegel. Auch bei der FTI hieß es gegenüber dieser Zeitung: „Die Preise werden im Winter gesenkt“. Europas zweitgrößter Reisekonzern, Thomas Cook, hatte schon vergangene Woche angekündigt, dass die Flugreisen im Winter im Schnitt um elf Prozent gesenkt würden.

Auf dem Reisemarkt tobt momentan ein heftiger Preiskampf: Nachdem die Passagierzahlen in diesem Frühjahr wegen der schwachen Konjunktur, der Sars-Seuche und dem Irak-Krieg weiter eingebrochen waren, sitzen die Konzerne nun auf überschüssigen Kapazitäten, die sie loswerden wollen. Auch ohne frühes Buchen würden alle Mittelstreckenziele um zehn Prozent billiger, auf den Fernstrecken sinken die Preise laut der Tui im Winter um 14 Prozent. Grund für die Preissenkungen sind laut Tui-Sprecher Nikolai Juchem neben dem allgemeinen Preisdruck der schwache Dollar-Kurs und die guten Angebote der Hoteliers, die ihre Zimmer nun auch für weniger Geld füllen wollen. Die Preisnachlässe würden nicht der Rendite des Unternehmens schaden, versicherte Böttcher, und verwies auf das Kostensenkungsprogramm des Konzerns.

Ein weiteres Problem neben der steigenden Preissensibilität der Urlauber ist für die Tui, dass die Kunden sich in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten immer später für eine Reise entscheiden. Das ist schlecht für die Konzerne, weil sie so nicht gut mit ihren Kapazitäten planen können.

Um das zu ändern, setzt die Tui jetzt auch verstärkt auf Frühbucherrabatte und weniger auf Last Minute. Flächendeckend sollen alle Badehotels rund um das Mittelmeer billiger werden, wenn man sich früher für eine Reise entscheidet. 50 Euro pro Urlauber und pro Woche Frühbucherrabatt will die Tui ihren Kunden anbieten – in der Spitze könnten Urlauber bis zu 336 Euro sparen, teilte der Konzern mit. Tui-Deutschland-Chef Böttcher stellte klar, dass die Tui kaum noch auf Last Minute setzen werde: „Die Zeit der freien Auswahl zu Niedrigstpreisen wenige Wochen vor Reiseantritt wird so nicht wieder kommen“, sagte er.

Insgesamt will der Konzern sich von der „Schnäppchen-Strategie“ abwenden. „Eher werden wir die Ware Urlaub verknappen und Kapazitäten aus dem Markt nehmen als die eigenen Qualitätsprodukte zu verramschen“, kündigte Böttcher an. Um auf Billigangebote verzichten zu können, würde die Tui „notfalls auch den Verlust von Marktanteilen in Kauf nehmen“, sagte Böttcher.

Erst vor einigen Monaten hatte Tui-Chef Michael Frenzel die „Aldisierung“ der Reisebranche ausgerufen und die eigene Billigmarke „Discount Travel“ auf den Markt gebracht. Laut Tui-Sprecher Juchem widerspricht sich dies nicht mit den neuen Ankündigungen: „Wir haben immer gesagt, dass wir uns freuen, wenn wir so wenig Reisen wie möglich über Discount Travel verkaufen.“ Über Disount Travel verkauft Tui die Reisen, die sie nicht losgeworden ist, mit weniger Leistungen zu Niedrigstpreisen.

In Deutschland herrscht laut der Tui noch immer eine Reiseflaute: Die Umsätze lägen momentan gegenüber dem Vorjahr um 10,8 Prozent zurück. Vor sechs Wochen waren es jedoch noch 13 Prozent. Die gesamten Umsätze des Konzerns sind 7,3 Prozent niedriger als im Vorjahr. Jedoch zeigte sich Böttcher optimistsich: „Die Talsohle ist jetzt durchschritten, es geht wieder bergauf“, sagte er. Trotz der seit zehn Wochen anziehenden Nachfrage lasse sich das Minus für den Sommer in Deutschland nicht mehr aufholen. 2004 hält Böttcher für Deutschland ein Umsatzwachstum von fünf bis sieben Prozent für möglich, der Markt insgesamt werde um drei Prozent zulegen. Die Tui-Aktie stieg am Montag besser als der Markt um 2,5 Prozent auf 13,50 Euro.

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