Wirtschaft : Tui entgeht Rausschmiss aus dem Dax

Deutsche Börse ordnet Aktienindex neu. Der Reisekonzern wird geschont – zumindest noch dieses Mal

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Berlin/Frankfurt am Main Tui und Volkswagen, zwei der größten deutschen Konzerne, werden am kommenden Freitag vermutlich nicht aus wichtigen nationalen und europäischen Aktienindizes verbannt. Das haben Börsenexperten errechnet. Die Kursschwäche beider Werte in den vergangenen Wochen hatte den Verbleib von Tui im deutschen Aktienindex Dax sowie von Volkswagen im Euro-Stoxx 50 gefährdet. Bei Volkswagen hänge der Verbleib allerdings am seidenen Faden, heißt es.

Wichtig ist der Verbleib in den Indizes, weil er Aufmerksamkeit und damit höhere Kurse garantiert. Viele Investmentfonds bilden außerdem die Indizes in ihren Portfolios nach. Ein Rauswurf aus einem Index hätte also Aktienverkäufe und mithin sinkende Kurse zur Folge. Das wäre fatal für Tui – die Aktie hat seit Anfang März ein Viertel ihres Wertes verloren und gilt als Übernahmekandidat.

„So wie es aussieht, ist die Tui sicher im Dax“, sagte Christian Stocker, Analyst der Hypo-Vereinsbank (HVB), dem Tagesspiegel. Die Tui-Aktie erreicht im Kriterium Marktkapitalisierung den rettenden Platz 35, hinter den sie zuletzt gefallen war. „Die Wahrscheinlichkeit liegt bei fast 100 Prozent", sagt Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zu Tuis Chancen. Bei den Börsenumsätzen, dem zweiten Kriterium für den Dax, war Tui ohnehin nie gefährdet. Aufstiegskandidat Puma liegt Schallenbergers Berechnungen zufolge bei der Marktkapitalisierung zwar aktuell vor Tui auf Rang 28, muss aber weiter auf den Aufstieg warten. Denn die Deutsche Börse wendet bei der anstehenden Indexüberprüfung erstmals neue Regeln an. Zur Berechnung der Marktkapitalisierung wird nun neuerdings der volumengewichtete Durchschnittspreis der letzten 20 Handelstage verwendet. 17 dieser Tage sind schon vorüber. Tui buhlt mit dem Chemiekonzern Celesio um den Platz 35 bei der Marktkapitalisierung. Nach den Berechnungen von LBBW-Analyst Schallenberger müsste die Celesio-Aktie in den verbleibenden Handelstagen jeweils noch 15 Prozent zulegen und Tui zugleich stagnieren, damit sich an der Lage noch etwas ändert.

Die große Überprüfung der Dax-Zusammensetzung erfolgt einmal im Jahr. Alle drei Monate gibt es zwar eine weitere, bei der die so genannte Fast-exit-Regel greifen könnte. Bloß dafür müsste Tui unter Rang 45 bei der Marktkapitalisierung fallen. Dazu müsste sich der Kurs halbieren, sagte HVB-Analyst Stocker. Grundsätzlich ändern könne sich die Lage aber bei einer Übernahme der Tui, durch die der frei handelbare und für die Börse maßgebliche Teil der Aktien schrumpfen würde.

Unsicherer ist dagegen der Verbleib von Volkswagen im Euro-Stoxx 50, in dem die 50 wichtigsten Unternehmen der Eurozone vertreten sind. Im Gegensatz zum Dax wird zur Berechnung der Schlusskurs vom 31. August genommen, die Umsetzung erfolgt zum 20. September. Nach aktuellem Stand könnte der Abstieg haarscharf vermieden werden. „Das ist im Moment noch eine ganz enge Geschichte“, sagt Frank Schallenberger. Hier sei bis zum Börsenschluss am Dienstag noch alles möglich. Entsprechend lebhaft könnte der Handel bis dahin in den Werten sein. In der Auswahlliste liegt die VW-Aktie auf Rang 60. Für den Rausschmiss müsse sie nur noch einen Platz fallen – dafür würde schon ein Kursrückgang von 1,7 Prozent reichen. „Das wird eine knappe Geschichte“, sagte Stocker.

Wichtig für die Entwicklung an den Börsen werden die Daten zum US-Arbeitsmarkt sein, die kommenden Freitag veröffentlicht werden. Im Juli waren nur 32000 neue Stellen entstanden, im Juni zuvor waren es nicht viel mehr gewesen. Fachleuten zufolge müsste die Zahl neuer Jobs im August auf 150000 bis 200000 gestiegen sein, damit die Kurse nicht erneut abfallen. Gute Vorzeichen kommen derweil vom Ölmarkt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) war vergangene Woche deutlich gefallen – von 50 auf nun noch 43Dollar. Grund dafür war die politische Entspannung in den Förderländern Irak und Venezuela. hop/scc/HB

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