Wirtschaft : Tui kauft eine Containerflotte

Reisekonzern bietet 1,7 Milliarden Euro für kanadische Reederei/Kapitalerhöhung geplant

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Hannover/Frankfurt am Main Die Tui verabschiedet sich vom Modell eines lupenreinen Reisekonzerns. Tui-Chef Michael Frenzel kündigte am Sonntag in Hannover an, das Dax-Unternehmen biete 1,7Milliarden Euro für die kanadisch-britische Reederei Canadian Pacific Ships (CPShips). Mit der Übernahme solle die rentablere zweite Säule des Konzerns um die Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd gestärkt werden. Zur Finanzierung des Geschäfts hätten Vorstand und Aufsichtsrat eine Kapitalerhöhung beschlossen, die rund eine Milliarde Euro einbringen soll, sagte Frenzel.

Mit dem geplanten Kauf arbeitet die Tui weiter daran, die hohe Abhängigkeit des Konzerns vom krisenanfälligen Tourismusgeschäft zu reduzieren. „Die Tui AG steht heute stabil auf den beiden Standbeinen Touristik und Schifffahrt“, sagte Frenzel. Man habe die Schifffahrt „konsequent weiter entwickelt, weil wir erkannt haben, dass die Bedeutung der Containerschifffahrt analog zu der extrem dynamischen Entwicklung der Globalisierung zunehmen wird und hohe Ertragschancen birgt“.

Noch vor einem Jahr sah die Lage völlig anders aus: Ein Börsengang oder Verkauf der Renditeperle Hapag-Lloyd schien kaum mehr vermeidbar, um das Unternehmen zu sanieren und die Verschuldung der Tui auf ein erträgliches Niveau zu drücken. Auf der Bilanz-Pressekonferenz im März 2005 hatte Frenzel jedoch kehrtgemacht und klargestellt, Hapag- Lloyd nicht mehr abstoßen zu wollen: Der Vorstand sei zu der Erkenntnis gelangt, dass man die Ertragskraft der Schifffahrtssparte im Konzern halten wolle. Klappt der Zukauf von CPShips, wäre dieser Strategieschwenk zementiert.

Das neue Unternehmen hätte derzeit rechnerisch 5,7 Milliarden Euro Umsatz und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 588 Millionen Euro. Hapag-Lloyd würde damit im wachsenden Containergeschäft unter die ersten fünf der Branche vorrücken. Auch der Einfluss der Sparte auf die Bilanz der Tui dürfte deutlich steigen: Im Vorjahr lieferte Hapag-Lloyd bei knapp 20 Prozent des Konzernumsatzes bereits 47 Prozent der Tui-Gewinne ab. Sollte die Transaktion gelingen, seien 2005 keine nennenswerten Ergebnisbelastungen zu erwarten, sagte Frenzel. Tui erwarte ab dem dritten Jahr nach Abschluss der Übernahme positive Effekte von 180 Millionen Euro jährlich. Die Kosten für die Integration von CP Ships bezifferte Tui mit 100 Millionen Euro.

Den Zeitpunkt der Transaktion sehen Schifffahrtsexperten allerdings kritisch. „Die Frachtraten haben die Spitze erreicht. Sie dürften wegen drohender Überkapazitäten bereits im nächsten Jahr zurückgehen“, sagte Hans-Heinrich Nöll, Sprecher des Hamburger Verbands Deutscher Reeder. Das Kaufangebot könnte zudem einen teuren Bieterstreit auslösen, weil auch andere Reedereien wie die französische CMACGM Interesse an CPShips bekundet haben. Nach Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen soll Tui eine Vertragsstrafe in Höhe von 70 Millionen Euro zustehen, falls das Geschäft platzen sollte. Das wird in der Branche als Indiz dafür gewertet, wie sehr sich Tui um die Stärkung ihrer Schifffahrtssparte bemüht. Ein Bankenkonsortium aus Citigroup, Hypo-Vereinsbank und Deutscher Bank würde Tui im ersten Schritt mehr als zwei Milliarden Euro zur Verfügung stellen, erfuhr das Handelsblatt aus Bankenkreisen. Zusätzlich zu Kaufpreis und Gebühren müsse die Tui Schulden der CP Ships in Höhe von 250 Millionen Euro übernehmen, hieß es. ebe/lip/rob (HB)

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