Wirtschaft : Tui kommt aus der Flaute

Reisekonzern verdoppelt den Gewinn und will auch im laufenden Jahr deutlich wachsen – die Aktie legt zu

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Hannover Europas größter Tourismuskonzern Tui hat die Krise hinter sich gelassen und sieht sich mit steigendem Reiseumsatz und Gewinn wieder auf Wachstumskurs. „Nach zwei schwierigen Jahren ist nun die erwartete Verbesserung eingetreten“, sagte Konzernchef Michael Frenzel bei der Vorstellung der Bilanz am Mittwoch in Hannover. „Wir sind in allen Bereichen zukunftsfähig aufgestellt.“ Der Vorstand werde eine gegenüber den Vorjahren unveränderte Dividende von 77 Cent je Aktie vorschlagen. Die Tui-Aktie legte am Mittwoch auch um 3,25 Prozent auf 21,58 Euro zu.

Erst am Abend wurde bekannt, dass sich die Hotelkette Riu nach Händlerangaben von einem Teil ihres Tui-Anteils von zehn Prozent, getrennt hatte. Die Aktien hatte Riu im Dezember von der WestLB erworben. Damals wurde von einem längerfristigen Engagement gesprochen. Platziert wurden laut Händlern jetzt 3,3 Prozent. Tui und Riu nahmen dazu nicht Stellung.

Die letzten zwei Jahre waren hart für die Tui, die aus dem Mischkonzern Preussag hervorgegangen ist: 2003 waren Millionenverluste entstanden, weil das Unternehmen zu viele Flüge und Betten eingekauft hatte, die Deutschen dann aber wegen des Irak-Krieges, der Lungenseuche Sars und der allgemeinen Konsumunlust diese Reisen nicht buchten. Tui musste sie mit großen Rabatten verkaufen. Außerdem musste das Unternehmen den Angriff von Hedge-Fonds abwehren und den gescheiterten Börsengang der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd verkraften.

Das ist offenbar gelungen. Es müssen nur noch drei Alt-Töchter der Vorgängergesellschaft Preussag verkauft werden, der lange unsichere Verbleib im Dax ist inzwischen gesichert und der Gewinn steigt auch wieder. Der Jahresüberschuss kletterte auf 532 Millionen Euro, nach 314,9 Millionen Euro im Vorjahr. Der Konzernumsatz sank zwar insgesamt um 6,1 Prozent auf 18 Milliarden Euro, dies sei aber auf Verkäufe von Unternehmensteilen zurückzuführen, sagte Frenzel. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis vor Steuern sei auf 490 Millionen Euro verdoppelt worden. Die US-Stahltochter PNA profitierte vom weltweiten Stahlboom und trug 2004 einen Rekordgewinn von 116 Millionen Euro zum Konzerngewinn bei.

Für das laufende Jahr erwartet Frenzel „robustes Wachstum“ vor allem im Kerngeschäft, der Touristik. Hier habe die Tui deutlich an Fahrt gewonnen. „Auch 2005 sollte ein prozentual zweistelliges Ergebniswachstum in der Touristik möglich sein“, sagte der Tui-Chef. Auch der Schifffahrtssektor entwickle sich positiv. Ein Börsengang von Hapag Lloyd sei kein Thema mehr. „Die Entscheidung ist endgültig.“ In der Schifffahrt habe das Ergebnis um 17 Millionen auf 279 Millionen gesteigert werden können. Große Hoffnungen setzt der Konzernchef in die ertragsstarke Sparte Hotels. Die Bettenzahl soll in diesem und im nächsten Jahr noch einmal um über 20 000 wachsen. Der Umbau des Unternehmens zu einem reinen Tourismuskonzern werde voraussichtlich 2005 abgeschlossen, sagte Finanzvorstand Rainer Feuerhake. dpa/AP

TOURISTIK

Im Kerngeschäft Touristik kletterte der Gewinn um 75 Prozent auf 362,4 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 3,6 Prozent auf

13,1 Milliarden Euro.

HOTELS

Die Bettenzahl – Ende 2004 waren es 154 000 – soll deutlich wachsen. Gäste werden verstärkt in konzerneigenen Hotels untergebracht, so der Plan.

SCHIFFFAHRT

Das Ergebnis stieg um 17 Millionen auf 279 Millionen Euro. Vor allem bei der Containerschifffahrt wird ein deutliches Wachstum erwartet.

STAHL

Mit dem Gewinn der US-Stahlhandelstochter PNA von 115 Millionen Euro (Vorjahr: 3,5 Millionen Euro) profitierte auch Tui vom weltweiten Stahlboom.

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