Wirtschaft : Tui streicht 3600 Stellen

Auch in Deutschland sollen 400 Arbeitsplätze wegfallen / Gewinnprognose für 2008 gesenkt

Stefan Kaiser

Berlin - Tui will sich aus der Krise sparen. Dafür streicht der Touristik- und Schifffahrtskonzern 3600 Stellen, 400 davon in Deutschland. Das habe der Aufsichtsrat beschlossen, teilte der Konzern am Freitag mit. Tui senkte die mittelfristige Gewinnprognose deutlich und strich die Dividende. „Das Jahr 2006 war kein gutes Jahr“, sagte Konzernchef Michael Frenzel. Für 2008 senkte der Konzern seine Gewinnerwartungen sowohl in der Schifffahrts- als auch in der Touristiksparte um jeweils 150 bis 250 Millionen Euro.

Die Aktie gab am Freitag um 2,7 Prozent auf 15,61 Euro nach. „Die Gewinnwarnung an sich war nicht überraschend, das Ausmaß war aber größer, als der Markt erwartet hatte“, sagte Zafer Rüzgar, Analyst bei Independent Research, dem Tagesspiegel. Rüzgar kritisierte die eingeleiteten Sparmaßnahmen. „Tui hat vor allem im Touristikgeschäft strukturelle Probleme, die sich nur mit Kosteneinsparungen und Stellenstreichungen nicht lösen lassen“, sagte er.

Der Großteil der 3600 Stellen soll in Großbritannien wegfallen, etwa 2600. Die 400 Stellen in Deutschland beträfen vor allem den Reiseveranstalter, sagte ein Tui-Sprecher. In Berlin, wo Tui eine Repräsentanz Unter den Linden sowie mehrere Reisebüros unterhält, fielen keine Stellen weg. „Wir bauen gleichzeitig auch neue Stellen auf“, sagte der Sprecher. Allein in Deutschland seien es 300, vor allem beim Bordpersonal der Fluglinien Hapagfly und HLX . Die will der Konzern künftig unter der Marke Tuifly.com bündeln. Für die Erneuerung der Flotte habe man 65 Flugzeuge für zwei Milliarden Euro beim US–Hersteller Boeing bestellt, die ab 2010 ausgeliefert werden sollen.

Die geplanten Stellenstreichungen in der Touristiksparte sind Teil eines 250 Millionen Euro umfassenden Sparprogramms, das bis 2008 umgesetzt werden soll. Allerdings muss Tui zunächst 140 Millionen Euro für die Sanierung aufbringen, zum Beispiel für Abfindungen.

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat tragen den Sparkurs mit. „Wir halten ihn für alternativlos, wenn man auf lange Sicht verhindern will, dass das Unternehmen zerschlagen und filetiert wird“, sagte die Sprecherin der Gewerkschaft Verdi, Cornelia Haß, dem Tagesspiegel. Der Abbau betreffe in Deutschland lediglich 100 bis 150 Vollzeitstellen. Betriebsbedingte Kündigungen solle es nicht geben.

Frenzel kündigte auch den Einstieg ins Kreuzfahrtgeschäft an: Tui beteiligt sich für 300 Millionen Euro an der Marke Aida des US-Veranstalters Carnival Cruises.

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