TV-Rechte der Bundesliga : Premiere ist wieder am Ball

Das Kartellamt erlaubt Arena die Übertragung der Bundesliga-Rechte an den Erzrivalen Premiere. Es soll aber nur eine befristete Zusammenarbeit sein.

Markus Ehrenberg
Premiere
Kamera läuft. Premiere darf in der kommenden Saison wieder die Bundesliga live zeigen. -Foto: ddp

Berlin - Der Fußball-Bundesliga-Klassiker Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München am Mittwochabend als Freundschaftsspiel bei Arena – es dürfte eine der letzten vom Abo-TV-Sender produzierten großen Fußball-Übertragungen sein. Denn die Fußball-Bundesliga kehrt nach nur einer Saison vom neuen Abo-Sender Arena zum Erzrivalen Premiere zurück. Das Bundeskartellamt „toleriert eine bis zum 30. Juni 2009 befristete Zusammenarbeit“ von Arena und Premiere bei der Nutzung der Fernsehübertragungsrechte. Das teilten die Wettbewerbshüter am Mittwoch mit. Demnach darf Arena die teuer erworbenen Rechte in Form einer Sublizenz an Premiere weiterreichen.

„Kooperationen der beiden einzigen aktuellen Wettbewerber sind kein Idealfall“, sagte Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer. Aber angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation von Arena sei davon auszugehen, dass die Vereinbarungen am ehesten geeignet seien, Wettbewerb zwischen Arena und Premiere zumindest für die Restlaufzeit der Bundesliga-Lizenz zu erhalten. Die Bundesliga werde auch künftig sowohl bei Premiere als auch bei Arena zu sehen sein. Dadurch gebe es weiterhin Wettbewerb.

Arena hatte sich die Liverechte vor zwei Jahren in einem spektakulären Bieterwettbewerb für drei Saisons für 220 Millionen Euro je Spielzeit (bis 2009) gesichert. Allerdings hatte der Neuling zwar die Rechte, Premiere aber den deutlich größeren Kundenstamm. Zuletzt soll Arena auf 1,1 Millionen Abonnenten gekommen sein, Premiere hat rund 3,5 Millionen Kunden. Daher sahen sich die Anbieter zur Kooperation gezwungen. Die beiden angeschlagenen Konkurrenten vereinbarten im Februar, dass Premiere die Arena-Sendungen über Satellit und Kabel vertreiben soll und die Arena-Mutter, der Kabelkonzern Unity Media, sich mit 16 Prozent an Premiere beteiligt.

Das Kartellamt erhob Einspruch gegen diesen Schulterschluss. Es habe die Gefahr bestanden, dass sich die beiden Anbieter den Markt aufteilen. Im Zuge der ursprünglichen Vereinbarung hätten Arena und Unity Media in den Kabelgebieten Nordrhein-Westfalen und Hessen die Bundesliga exklusiv vermarktet, während Premiere in den übrigen Kabelgebieten sowie über Satellit den Vertrieb übernommen hätte. „Anders als die vorgesehene Kooperation, die für Arena einen geringen Anreiz zu Preis- und Qualitätswettbewerb im Verhältnis zu Premiere bot, ist Wettbewerb nach den nunmehr vereinbarten Regelungen möglich und wahrscheinlich“, erklärte das Kartellamt. Arena vergibt eine Sublizenz zu einem nicht genannten Preis an Premiere. Nach Medienberichten ist eine Summe im dreistelligen Millionenbereich im Gespräch, die über den 220 Millionen Euro Lizenzgebühr pro Saison liegen dürfte, die Arena seinerzeit an die Deutsche Fußball Liga (DFL) als Rechtevergeber zahlte.

Die Haltung der DFL zu der neuen Situation ist uneindeutig. Ligaverband und DFL haben die Entscheidung des Kartellamtes zur Kenntnis genommen, hieß es in einer Pressemitteilung. Die Liga habe in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass sie die ursprünglich geplante Lösung für besser gehalten hätte, die den Fortbestand von Arena als redaktionell eigenständigem Sender gewährleistet hätte. Diese Haltung hätten Ligaverband und DFL beim Kartellamt hinterlegt, so DFL- Sprecher Christian Pfennig. „Für die Zukunft hoffen wir auf eine klare Richtung, die Planbarkeit für Investoren, Medienpartner, die Vereine, vor allem aber die Fans garantiert“, sagte Liga-Präsident Wolfgang Holzhäuser. Die Liga führe Gespräche mit Arena, in denen die Detailfragen vor dem Hintergrund der vertraglichen Grundlagen geklärt werden. „Wir erwarten eine zeitnahe Klärung.“

Es sieht so aus, als ob die Entscheidung des Kartellamts nicht das allerletzte Wort zum Deal zwischen Arena und Premiere war. Ein Kritiker hat sich schon gemeldet: Bayern-Manager Uli Hoeneß. „Ich halte die Entscheidung des Bundeskartellamtes grundsätzlich für eine Katastrophe, denn so marschieren wir direkt auf ein Monopol zu. Ich dachte eigentlich, das Kartellamt sei dazu da, so etwas zu verhindern“, sagte Hoeneß. mit dpa

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