Wirtschaft : Tyll Necker: Ein Kämpfer für die Marktwirtschaft

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Er war ein erfolgreicher Unternehmer, ein überzeugender Interessenvertreter und ein leidenschaftlicher Verfechter der sozialen Marktwirtschaft. Tyll Necker, der langjährige Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), ist am 29. März im Alter von 71 Jahren gestorben. Am Donnerstag hat der BDI bei einer Feier in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin seines großen Präsidenten gedacht.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bescheinigte Necker, er sei ein überzeugter Streiter für die Wirtschaft gewesen, habe aber nie egoistische Interessen zu Lasten Dritter durchgesetzt. Dass in Deutschland in den 90er Jahren - angestiftet von Necker - eine Standortdebatte zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit geführt worden sei, lobte Schröder ausdrücklich. "Viele der damaligen Forderungen, aber nicht alle, sind heute Regierungspolitik. Necker habe den Kampf für seine Ziele nicht gescheut, ihn aber in Fairness und mit dem ihm eigenen Humor ausgefochten, sagte Schröder.

An der Gedenkfeier nahmen Vertreter von Verbänden und Politik, aber nur wenige Unternehmer teil: Außer dem Bundeskanzler waren Wirtschaftsminister Müller (parteilos), der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz und der CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer anwesend. BDI-Präsident Michael Rogowski nannte Necker einen Idealisten und Weltverbesserer: In der Tarifpolitik ein Streiter für mehr Selbstbestimmung in den Betrieben und in der Wirtschafts- und Sozialpolitik ein Verfechter des Grundsatzes: "So wenig Staat wie möglich." Unerbittlich, notfalls unbequem sei Necker gewesen, sagte Rogowski. Der BDI habe durch ihn "richtig Glanz" gewonnen. Der BDI hat mit Necker - 1986 wurde er zum ersten Mal an die Spitze des Verbandes gewählt - seit den achtziger Jahren beachtlich an ordnungspolitischem Profil gewonnen. Necker hat die liberale Marktwirtschaft nie akademisch kompliziert, sondern immer in einer Sprache verblüffender Klarheit und Einfachheit verkörpert. Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl, sagte, Deutschland habe "einen seiner Besten" verloren. Necker, der Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft war, habe durch Bescheidenheit und Gradlinigkeit überzeugt. Ausgezeichnet habe ihn eine große Neugierde, aus der sich sein Interesse an der Wissenschaft begründet habe.

Necker wurde 1930 in Berlin geboren. Sein Vater war ein engagierter linker Wirtschaftsjournalist, der Nazi-Deutschland verlassen musste. Die Familie wurde bei Kriegsende nach Österreich evakuiert. Aus diesen Wurzeln - Diktatur, Krieg und Zusammenbruch Deutschlands - sei ein tiefer Widerwille gegen Unfreiheit, Bevormundung, Zwangswirtschaft, Monopole und Kumpanei entsprungen, sagte Rogowski. Necker hat auch als Unternehmer überzeugt. Nach dem Studium trat er in die Hako-Werke in Bad Oldesloe ein. Rasch wurde er dort Vorsitzender der Geschäftsführung. Hako ist heute ein weltweit tätiges Unternehmen für die Gebäudereinigung. Necker blieb bis zuletzt - im Hintergrund - politisch tätig. Er lebte gesund und war wenig krank. Von seinem Tod wurden alle überrascht.

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