UCI-Kinowelt-Chef Heinze : „Wir müssen bessere Gastgeber sein“

UCI-Kinowelt-Chef Jens Heinze im Interview: Wie sich das Kino verändert, warum Computerspiele auf die Leinwandkommen und welche Pläne die Kinokette für Berlin hat.

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UCI Kinowelt betreibt in Deutschland 23 Multiplex-Kinos.
UCI Kinowelt betreibt in Deutschland 23 Multiplex-Kinos.Foto: imago stock&people

Herr Heinze, vor 25 Jahren hat UCI Kinowelt das erste Multiplex-Kino Deutschlands eröffnet. Wie werden die nächsten 25 Jahre?

Die Großkinos werden sich mehr und mehr ihren Besuchern zuwenden müssen. Wir werden uns bewegen – nicht nur bei der Technik.

Haben Sie Ihr Publikum aus den Augen verloren?
Das Geschäftsmodell muss sich weiterentwickeln. Unsere Gäste sollen etwas erleben, an einem Ort, der mehr ist als ein schlichter Kinosaal: eine Erlebnislocation. Wir müssen bessere Gastgeber werden, auch für das anspruchsvollere Publikum. Das stand vor 20 Jahren, als sich viel mehr Menschen ins Kino locken ließen, vielleicht nicht so im Vordergrund. Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren schon sehr viel getan: Ein besserer Sitzkomfort, deutlich Verbesserung der Filmvorführung mit digitalen Projektoren, 3D und neuer immersiver Soundtechnik.

Auch die Multiplexe haben – wie Kinos insgesamt – in den vergangenen zehn Jahren etwa zehn Millionen Besucher verloren. Hat sich das Konzept Großkino überlebt?
Nein, das auf keinen Fall. Multiplexe haben den Vorteil, dass sie eine breite Programmvielfalt anbieten können – in Zeiten, in denen jede Woche eine Vielzahl neuer Filme auf den Markt kommt. Das ist unsere Stärke und das wird sich auch nicht ändern. Und der zentrale Vorteil des Kinos, die große Leinwand, kommt in großen Kinos einfach auch am eindrucksvollsten zur Geltung.

Jens Heinze ist Chef der UCI-Kinowelt.
Jens Heinze ist Chef der UCI-Kinowelt.Foto: promo

Ihre Stärke ist die Schwäche der anderen. Multiplexe haben das Kinosterben in Deutschland beschleunigt.
Stimmt nicht. Der deutsche Kinomarkt ist durch die Multiplexe nicht kleiner geworden. Die traditionellen Leinwände sind unverändert da und nicht aus dem Markt gedrängt worden.

Kurbel, Ku'dammKinos, Royal… Nicht nur in Berlin ist die Liste der verschwundenen Kinos lang. Vor allem auf dem Land gehen kleine Häuser pleite.
Die Kinolandschaft verändert sich, einige verschwinden, andere kommen hinzu. Aber es ist nicht so, dass es unter dem Strich weniger Leinwände gibt.

Wie oft gehen Sie ins Kino?
Ich komme auf 25 bis 30 echte Kinobesuche im Jahr.

Ihr letzter Film?
„Alles steht Kopf“ – ein Familienfilm.

In Berlin bauen Sie in der Nachbarschaft zur Mercedes-Benz-Arena ein riesiges neues Kino, das 2018 eröffnet werden soll. Hat Berlin nicht längst zu viele Großkinos?
Wir werden die geplanten 14 Säle füllen, da bin ich sicher. Wenn man ein Kino am richtigen Ort baut, dann funktioniert auch ein großes Haus. Berlin wächst, die Einwohnerzahl steigt. Das ist an vielen Orten in Deutschland anders.

Berlin hat 100 Kinos, 300 Leinwände. Da müssen Sie Wettbewerbern Gäste abjagen.
Es wird umverteilt, aber der Kuchen wird auch insgesamt größer in Berlin.

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