• Über dem ersten deutschen Fabrikverkaufszentrum schwebt der Richtkranz - und die Frage, ob Arbeitsplätze dadurch geschaffen oder vernichtet werden

Wirtschaft : Über dem ersten deutschen Fabrikverkaufszentrum schwebt der Richtkranz - und die Frage, ob Arbeitsplätze dadurch geschaffen oder vernichtet werden

Claus-Dieter Steyer

Ohne einen einzigen Vertreter der Landesregierung ist gestern in Wustermark am westlichen Berliner Autobahnring Richtfest für Deutschlands erstes Factory Outlet Center (FOC) gefeiert worden. Im März nächsten Jahres wollen die britischen und deutschen Investoren ihr Fabrikverkaufszentrum eröffnen. Es firmiert unter dem Namen "B 5 Designer Outlet Center". "Wir wollen damit möglichen weiteren Klagen zuvorkommen", sagte Geschäftsführer Andreas Siegel. "Am Ende kommt noch jemand auf die Idee, nach einer Fabrik bei uns zu fragen." Deshalb sei das Wort "factory" gestrichen worden. Renommierte Firmen wollen in vier Monaten nach Siegels Angaben in 60 Einzelgeschäften Markenware zu herabgesetzten Preisen verkaufen.

Das Fernbleiben der Landesregierung und anderer Fachbehörden wurde offiziell mit Terminschwierigkeiten erklärt. Auf der Einladung stand als wichtigster Redner noch Landtagspräsident Knoblich. Er habe ebenso kurzfristig abgesagt wie eingeladene Minister und Staatssekretäre, erklärte der Geschäftsführer. Doch der wahre Grund des Fernbleibens lag auf der Hand: Anfang September hatte das Oberverwaltungsgericht Frankfurt (Oder) die Beschwerde des Landes Berlin gegen das Handelszentrum Wustermark zugelassen. Berlin sieht vor allem die mittelständischen Einzelhändler in den Einkaufsstraßen der Altstadt Spandau durch den Bau auf der grünen Wiese an der Bundesstraße 5 gefährdet. Zuvor hatte das Potsdamer Verwaltungsgericht in erster Instanz die Berliner Klage wegen zu später Einreichung abgelehnt. Auch die Stadt Potsdam war mit gerichtlichen Einsprüchen erfolglos geblieben.

"Wir sehen deshalb der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes gelassen entgegen", sagte Geschäftsführer Siegel. Die Entwicklung von Factory oder Designer Outlet Center sei nicht aufzuhalten. Insgesamt investieren die Bauherren Morrison plc aus Edinburgh, Hammerson Group aus London sowie Demex Systembau mit Sitzen in München und Berlin rund 70 Millionen Mark in den Bau. Hammerson Group ist Eigentümerin des Einkaufszentrums in Reinickendorf und des Forum Steglitz.

Anlässlich des Richtfestes wurden gestern auch einige Firmen bekannt, die Konfektion, Schuhe, Sportsweare, Parfüm und Accessoires verkaufen wollen. Dazu gehören Calvin Klein, Trussardi und Boss. Mehrere Restaurants wollen asiatische, italienische, amerikanische und deutsche Küche anbieten. In der Region selbst stößt das Vorhaben im Unterschied zu Spandau wegen der versprochenen 300 Arbeitsplätze auf Zustimmung. "Das Center ist für uns der beste Entwicklungsschub", meinte der Wustermarker Amtsdirektor Horst Pohl.

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