Wirtschaft : Über sechs Prozent mehr für Ost-Chemie

BERLIN (AFP).Die Einkommen der 32 000 Beschäftigten in der ostdeutschen Chemieindustrie werden in den kommenden Jahren um insgesamt 6,1 Prozent angehoben.Arbeitgeber und Gewerkschaften einigten sich in der Nacht zu Dienstag in Berlin auf eine Einkommenssteigerung in Höhe von 3,7 Prozent zum 1.Januar 1999 sowie um weitere 2,3 Prozent ab dem 1.Januar 2000.Die Tarifpartner verständigten sich ferner auf die Schaffung eines Entgeltkorridors, der den Partnern die Möglichkeit einräumt, unter bestimmten Umständen um bis zu zehn Prozent nach unten oder oben von den Tarifsätzen abzuweichen.Der Verhandlungsführer der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Werner Bischoff, erklärte in Berlin: "Unter dem Strich haben wir ein gutes Ergebnis erzielt." Die Arbeitgeberseite sprach von einem Kompromiß, mit dem der Tariffrieden gewahrt werden könne.

Nach Angaben der IG BCE erhalten die Beschäftigten für November und Dezember Einmalzahlungen von je 60 DM.Die Auszubildenden bekommen im Januar 1999 eine Pauschalzahlung von 160 DM.Ab 1.Januar 2000 nehmen die Auszubildenden an der allgemeinen Erhöhung teil.Die in den alten Bundesländern bereits bestehende Entgeltgarantie, die vor allem Facharbeitern eine zusätzliche Bezahlung gewährt, wird rückwirkend zum 1.November 1998 auch in den neuen Ländern bezahlt.Zudem einigten sich die Tarifparteien darauf, den 1996 abgeschlossenen Tarifvertrag zur Altersteilzeit bis zum Jahr 2004 zu verlängern.Außerdem wurde der Tarifvertrag zur Arbeitszeit, demzufolge die Beschäftigten der ostdeutschen Chemieindustrie 40 Stunden pro Woche arbeiten müssen, um ein Jahr verlängert.Bischoff erklärte, die große Tarifkommission der Gewerkschaft habe das Ergebnis mit großer Mehrheit angenommen.Der Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, Wolfgang Schönebeck, erklärte in Berlin, der Abschluß belaste die Unternehmen "bis an die Grenzen des Möglichen".Nur die lange Laufzeit des Tarifvertrages und die damit verbundene Planungssicherheit habe die Arbeitgeber dazu bewogen, dem Abschluß zuzustimmen.

Wie Günter Petzsch, Bezirksleiter der IG BCE Gera erklärte, sei in letzter Minute ein Scheitern der Verhandlungen abgewendet worden.Erst kurz davor hätten die Arbeitgeber ein erstes Angebot vorgelegt, das jedoch indiskutable Lohnsteigerungen vorsah.Später habe die andere Seite dann noch "nachgelegt".Petzsch sagte, es sei der Versuch abgewehrt worden, die verabredete Angleichung der östlichen an die westlichen Tarifstrukturen auszuhebeln.Dies sei aber bereits im Juli 1990 in einer sogenannten sozialpartnerschaftlichen Vereinbarung gemeinsam beschlossen worden.

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