Überblick : "Vernunftehe" nach fünfmonatiger Abwehrschlacht

Der europäische Stahlkonzern Arcelor hat mit allen Mitteln versucht, eine Fusion mit dem weltgrößten Konkurrenten Mittal Steel zu verhindern. Am Ende musste der Luxemburger Konzern sich doch geschlagen geben. Ein Überblick

27. Januar:

Mittal Steel kündigt ein Übernahmeangebot an, das Arcelor mit 18,6 Milliarden Euro bewertet. Arcelor stuft die Offerte umgehend als feindlich ein. Arcelor-Chef Guy Dollé bezeichnet Mittal in der Folge als "Gesellschaft von Indern", die im Gegensatz zu seinem Konzern nur "Massenware" produziere.

1. Februar: Anteilseigner Luxemburg und die Regierung des größten Arcelor-Standortes Frankreich machen gegen Mittal mobil.

16. Februar: Arcelor verdoppelt die Dividende für 2005, um seine Aktionäre bei der Stange zu halten.

4. April: Die Dividende wird nochmals erhöht; Dollé verspricht zudem, weitere fünf Milliarden Euro an die Anteilseigner auszuschütten. Arcelor überführt zudem die kanadische Stahlfirma Dofasco in eine Stiftung, womit die von Mittal geplante Weitergabe an den deutschen ThyssenKrupp-Konzern in Frage steht.

19. Mai: Mittal lässt sich von dieser "Giftpille" nicht beeindrucken, muss aber nachbessern: Die Offerte wird um ein Drittel auf 25,8 Milliarden Euro erhöht. Zudem akzeptiert Mittal einen künftigen Unternehmenssitz in Luxemburg.

26. Mai: Um Mittal noch auszubremsen, verkündet Arcelor eine Fusion mit dem russischen Severstal-Konzern. Der Plan stößt aber nicht nur bei vielen Aktionären, sondern auch bei den Gewerkschaften wegen wahrscheinlich massiver Stellenstreichungen auf Widerstand.

25. Juni: Arcelor gibt auf und vereinbart eine einvernehmliche Fusion mit Mittal. Verwaltungsratschef Joseph Kinsch spricht von einer "Vernunftehe". Konzernchef Dollé kündigt seinen Rückzug an.

26. Juli: Mittal bringt 92 Prozent des Arcelor-Kapitals hinter seinen Fusionsplan. (tso/AFP)

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