Überblick : Vorsicht Mehrwertsteuer-Fallen!

Experten warnen vor Hamsterkäufen und falschen Sparangeboten, die sich aufgrund der Mehrwertsteuerhöhung im Januar jetzt auf dem Markt tummeln. Antworten auf die wichtigsten Fragen

Frankfurt/Main - Angesichts der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung im Januar von 16 Prozent auf 19 Prozent suchen viele Verbraucher derzeit nach Wegen, die Zusatzkosten zu umgehen. Händler und Banken locken zugleich mit angeblichen Mehrwertsteuer-Schnäppchen und Sonderkrediten. Verbraucherschützer warnen allerdings vor den Fallstricken solcher Offerten.

LOHNEN SICH HAMSTERKÄUFE ZUM ALTEN MEHRWERTSTEUERSATZ?

Für Hamsterkäufe ist es in vielen Fällen schon zu spät. Die Händler haben aus der Euro-Umstellung und anschließenden Teuro-Debatte gelernt und bei vielen Produkten längst an der Preisschraube gedreht, um einen auffälligen Sprung im Januar zu vermeiden. Einer Umfrage des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge wollen 38 Prozent der Händler die Preise jetzt heraufsetzen, fünf Prozent sogar "sehr stark". Betroffen sind demnach vor allem Produkte, deren Preise die Kunden nicht ständig verfolgen - beispielsweise Drogerieartikel. Experten beobachten zudem versteckte Preiserhöhungen: gleicher Preis bei weniger Inhalt. Auf der Internetseite des Statistischen Bundesamtes können Verbraucher in den kommenden Monaten die Preisentwicklung verschiedener Produkte und Dienstleistungen verfolgen (www.destatis. de/preismonitor).

LOHNEN GROßE ANSCHAFFUNGEN AUF KREDIT?

Bankkunden werden derzeit mit Kreditangeboten wie "Zuschlagen, bevor die Mehrwertsteuererhöhung kommt" überhäuft. Verbraucherschützer raten, sich wegen der Mehrwertsteuererhöhung nicht zu unüberlegten Käufen verleiten zu lassen. Sich dafür zu verschulden lohnt erst recht nicht, wie folgendes Beispiel der Verbraucherzentrale Sachsen zeigt: Wer für einen Möbelkauf einen dreijährigen Kredit über 3000 Euro aufnimmt, zahlt dafür je nach Geldhaus zwischen 300 und 500 Euro Zinsen. Dagegen verteuert sich die Küche für 3000 Euro ab Januar mit dann 19 statt derzeit 16 Prozent Mehrwertstseuer nur um 65,20 Euro.

KANN ICH MIR DEN NIEDRIGEN MEHRWERTSTEUERSATZ LANGFRISTIG SICHERN?

Die Angebote klingen verlockend: Jetzt noch einen Vertrag schließen, im Voraus bezahlen und sich so den geltenden Mehrwertsteuersatz für die Zukunft sichern. Dieses Versprechen einiger Anbieter ist leider falsch, warnen Behörden und Verbraucherschützer. Denn die rechtliche Lage ist eindeutig: Es kommt darauf an, wann die Lieferung oder Dienstleistung erfolgt. Wird das neue Bad erst im Januar installiert oder das Auto im Februar geliefert, sind 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig, egal, ob schon Anzahlungen oder der volle Preis bezahlt wurden. Für alles, was noch in diesem Jahr geliefert oder fertiggestellt wird, gelten 16 Prozent Steuer. Aufpassen müssen Immobilienkäufer: Wird das Haus oder die Wohnung zum Festpreis 2006 nicht mehr fertig, gilt die erhöhte Steuer für den Gesamtpreis, wenn dies im Vertrag vereinbart wurde. Dies ist erkennbar etwa an der Klausel "Preis zuzüglich gesetzlich geschuldeter Mehrwertsteuer". (tso/AFP)

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