Überholmanöver : Russlands Automarkt bald größer als der deutsche

Nur jeder vierte Russe hat ein eigenes Auto. Die Regierung will das ändern und setzt auf ausländische Automobilhersteller. Eine Studie sagt nach einem Jahr Stagnation stürmisches Wachstum voraus.

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BMW kooperiert in Russland mit Avtotor. Auch andere deutsche Hersteller sind dort aktiv.
BMW kooperiert in Russland mit Avtotor. Auch andere deutsche Hersteller sind dort aktiv.Foto: dpa

Der russische Automarkt wird spätestens in zwei Jahren größer als der deutsche sein. Mit einem Volumen von 3,5 Millionen Neuzulassungen werde Russland dann „auf Augenhöhe mit Japan die Nummer vier der weltweit größten Automärkte sein“, prognostiziert das Münchener Beratungsunternehmen EAC in einer noch unveröffentlichten Studie, die dem Tagesspiegel vorliegt. Im laufenden Jahr werde der russische Markt allerdings langsamer als in den Vorjahren wachsen – um fünf Prozent statt mit zweistelligen Steigerungsraten.

Zum Vergleich: Der deutsche Autoverband VDA rechnet für 2013 mit einem Rückgang des heimischen Marktes um rund ein Prozent auf etwa drei Millionen Neuzulassungen. 2012 wurden in Russland 2,8 Millionen Neuwagen verkauft, etwas weniger als in Deutschland (3,1 Millionen). Der größte Automarkt der Welt ist China (14,7 Millionen).

Getrieben wird der russische Markt vom großen Nachholbedarf – auf 1000 Einwohner kommen nur 250 Autos – und von staatlicher Förderung. „Mit ausländischer Hilfe soll dabei die russische Autoindustrie flottgemacht werden“, sagt EAC-Beraterin Anna Pyvovtova. So hat die Regierung festgelegt, dass bis 2020 80 Prozent der in Russland verkauften Autos im Land hergestellt sein müssen. Ausländischen und deutschen Autoherstellern und -zulieferern biete sich „ein interessantes Entwicklungsfeld“, glaubt EAC-Partner Dietmar Kusch.

Elf internationale Autobauer sowie vier Lkw-Hersteller haben schon eigene Standorte in Russland. VW kooperiert mit der russischen Gaz, Daimler mit Kamaz, BMW mit Avtotor. Trotz günstiger Ansiedlungsbedingungen seien Qualität und Quantität der Zulieferindustrie „die Achillesferse“ für die Lokalisierungsstrategie der Autohersteller, warnt EAC.

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