Überlastet : Wenn Arbeit krank macht

Viele Beschäftigte fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz überlastet. Körperliche und psychische Probleme nehmen laut AOK zu. Am häufigsten sind Rückenschmerzen.

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Viele Beschäftigte fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz psychisch überlastet.
Viele Beschäftigte fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz psychisch überlastet.Foto: dapd

Berlin - Viele Beschäftigte fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz psychisch überlastet. Knapp 30 Prozent klagen über zu viel Termin- und Leistungsdruck, nahezu jeder Vierte leidet ständig oder häufig unter Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Dies ergab eine Umfrage unter knapp 30 000 Beschäftigten aus 147 Unternehmen und Organisationen aller Wirtschaftszweige, die jetzt vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) ausgewertet wurde. Zwar spiele die Belastung durch schwere körperliche Arbeit bei den Beeinträchtigungen nach wie vor eine erhebliche Rolle, resümierte Studienautor Klaus Zok. Sieben der zehn meistgenannten Belastungen bezögen sich jedoch auf psychische Faktoren.

Am meisten zu schaffen macht den Beschäftigten die Erfordernis zu ständiger Aufmerksamkeit und Konzentration (30,1 Prozent). An zweiter Stelle nennen sie Termin- oder Leistungsdruck, gefolgt von Unterbrechungen der Arbeit, hohem Arbeitstempo, Lärm, hoher Verantwortung, zu großen Arbeitsmengen und ständigem Sitzen. Oft liege das Problem in der Kombination verschiedener Belastungen, meint Zok. Dies stellt aus seiner Sicht auch das größte Gesundheitsrisiko dar.

Auffällig jedenfalls ist, dass jeder Zweite die zehn häufigsten gesundheitlichen Probleme mit seinem Arbeitsplatz in Verbindung bringt. Dies gilt insbesondere für Wirbelsäulen-Leiden, Stresssymptome und Befindlichkeitsstörungen wie Reizbarkeit, Nervosität und Unruhe. Bei Rückenschmerzen, die mit mehr als 37 Prozent als häufigstes Gesundheitsproblem genannt wurden, sehen drei von vier Beschäftigten einen klaren Bezug zu ihrer Arbeit, bei Verspannungen und Verkrampfungen sind es sogar 80 Prozent.

Frauen leiden der Analyse zufolge fast doppelt so häufig wie Männer über Verspannungen, Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme. Insgesamt führen sie nach Zoks Worten zwar weniger Arbeitsbelastungen an, dafür aber „deutlich häufiger“ gesundheitliche Beschwerden. Besonders belastet fühlten sich Beschäftigte aus Gesundheitsbranche und Sozialberufen, Handel und privater Dienstleistung. Aus dem Verwaltungssektor und dem öffentlichen Dienst dagegen kommen weit weniger Klagen.

Bei der Frage nach den wichtigsten Faktoren für ihre Gesundheit nennen 55 Prozent die Arbeitsbedingungen. Übertroffen wird das nur noch noch von der Einsicht in die Wichtigkeit von ausgewogener Ernährung (55,4 Prozent) und genügend Schlaf (58,9 Prozent). Und die Mehrheit der Beschäftigten mit Gesundheitsproblemen ist der Ansicht, dass gezielte Gesundheitsförderung im Betrieb ihre Beschwerden verringern könnte.

Das meiste erhoffen sich die Befragten bezüglich ihrer gesundheitlichen Belastung von den Vorgesetzten. Die müssten sich stärker für ihre Mitarbeiter einsetzen, meinen 35,5 Prozent. An zweiter Stelle kommt der Vorschlag, Maßnahmen für ein besseres Betriebsklima zu ergreifen. 28 Prozent wollen mehr Informationen zu gesundheitsbewusstem Verhalten. Auch andere Arbeitsorganisation und technische Verbesserungen könnten helfen, meinen viele Beschäftigte der AOK-Umfrage zufolge.

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