Übernahme : ABN bevorzugt Barclays-Angebot

Der Poker um die Bank ABN Amro dauert an. Das Management der Niederländer würde gerne auf eine Offerte der britischen Barclay Bank einsteigen. Derzeit liegt jedoch die Royal Bank of Scotland im Bieterrennen vorn.

LondonIm Übernahmekampf um die niederländische Bank ABN Amro hat die britische Barclays Bank mit Schützenhilfe aus Asien ihre Offerte erhöht. Möglich wurde das verbesserte Angebot durch eine Beteiligung der staatlichen China Development Bank (CDB) und des staatlichen Investmentfonds Temasek aus Singapur an Barclays. Insgesamt bieten die Briten nun 67,5 Milliarden Euro - 37 Prozent davon in bar, wie das Institut in London mitteilte. Damit liegt Barclays aber immer noch unter dem Konkurrenz-Angebot des Konsortiums um die Royal Bank of Scotland (RBS), das rund 71 Milliarden großteils in bar bietet.

Barclays hatte bisher rund 64 Milliarden Euro in Aktien für ABN geboten. CDB und Temasek wollen über die Zeichnung neuer Aktien bis zu 13,4 Milliarden Euro in Barclays investieren. Das Geschäft unterstreicht nach Ansicht von Kommentatoren die Absicht Chinas und Singapurs, ihre beträchtlichen Devisenreserven für strategische Beteiligungen an westlichen Banken und Industrieunternehmen einzusetzen. "Wir sind erfreut über diese Gelegenheit, in Barclays zu investieren", sagte Temasek-Direktor Frank Tang. Der CBD hat Barclays Unterstützung bei ihrer Modernisierung zugesagt. Beide Banken unterzeichneten in Peking eine entsprechende Vereinbarung, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Synergien nutzen

Barclays werde der CBD mit dem Transfer von Technologie und Erfahrung helfen. Die Entwicklungsbank zählt zu den politischen Banken Chinas und untersteht dem Staatsrat. Die CDB beteiligt sich zunächst mit 3,1 Prozent an den Briten und zahlt dafür 2,2 Milliarden Euro. Temasek zahlt für 2,1 Prozent 1,4 Milliarden Euro. Barclays will zudem für bis zu 3,6 Milliarden Euro eigene Aktien zurückkaufen. Die weiteren Investitionen der beiden neuen Großaktionäre - 7,6 Milliarden Euro von CDB und 2,2 Milliarden Euro von Temasek - sind abhängig vom Gelingen der ABN-Amro-Übernahme.

Barclays-Chef John Varley sagte, der Einstieg der China Development Bank sei ein Vertrauensbeweis in die Strategie seiner Bank. Die Beteiligung sei für Barclays sehr gut und eröffne den Briten einen "beispiellosen" Zugang zum chinesischen Markt. ABN Amro begrüßte, dass seine Aktionäre nun zwischen zwei "gleichwertigen" Angeboten entscheiden könnten. In der Kooperation von Barclays mit CDB sehe man die Möglichkeit, bei einem Zusammengehen auch einen Mehrwert für die eigenen Aktionäre zu schaffen.

ABN bevorzugt Barclays-Offerte

Der Bieterkampf um die niederländische Großbank zieht sich bereits über mehrere Wochen hin. Das ABN-Management hatte von Anfang an die Barclays-Offerte bevorzugt und lehnt das Konkurrenz-Gebot der Gruppe aus RBS, Fortis und der Banco Santander ab. Einige ABN-Aktionäre bevorzugten aber das höhere Gebot des Konsortiums. ABN reagierte mit einer "Giftpille" und wollte sich mit einem Verkauf der für das Konsortium interessanten US-Tochter LaSalle unattraktiv für die Gruppe machen. Der Streit um diese Veräußerung ging bis vor das Oberste Gericht in den Niederlanden, das den Verkauf zuließ. Das Konsortium stieg anschließend aber nicht aus, sondern verbesserte die Struktur seines Angebots noch einmal - 93 Prozent der Offerte sollen nun in bar gezahlt werden. Während die Gruppe nun je ABN-Aktie 35,60 Euro in bar und 0,296 neue RBS-Papiere bietet, setzt sich das neue Barclays-Angebot aus 13,15 Euro in bar und 2,13 neuen Barclays-Papieren je ABN-Aktie zusammen. (mit dpa)

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