Wirtschaft : Übernahme der Dresdner Bank: Bislang planmäßig

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Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz scheint bislang problemlos abzulaufen. Eine Allianz-Sprecherin sagte, die Gespräche seien fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Der Allianz-Aufsichtsrat tritt nach Gewerkschaftsinformationen bereits am Sonntag zusammen, um über das Ergebnis der Verhandlungen zu beraten. Am Montag tage dann der Aufsichtsrat der Dresdner Bank, sagte Klaus Grünewald von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in München; außerdem gibt es Branchenkreisen zufolge bereits am Montag eine Pressekonferenz. Hinweise auf eine Zerschlagung der Dresdner gibt es Grünwald zufolge nicht.

Beim dritten Mal soll die Umstrukturierung der deutschen Finanzszene also nun endlich klappen. Zwei gescheiterte Fusionsversuche haben die Allianz-Topmanager Henning Schulte-Noelle, der Vorstandschef, und Paul Achleitner, der Finanzvorstand, schon einzufädeln versucht. Doch sowohl der Zusammenschluss der Deutschen Bank mit der Dresdner als auch der Dresdner mit der Commerzbank scheiterten in letzter Sekunde an Widerständen in den Führungsetagen. Geschadet hat dies dem Einfluss von Schulte-Noelle offenbar nicht. Der Chef des Münchner Versicherungskonzerns Allianz meidet das Rampenlicht und wirkt lieber im Hintergrund. Mit Geschick trieb der 58-Jährige promovierte Jurist die Expansion der Allianz-Gruppe voran, bei der seine Karriere 1975 begann. Er stieg 1991 als unbekannter Mann in schwierigen Zeiten zum Chef auf, als die Allianz im Versicherungsgeschäft rote Zahlen schrieb. Mit dem Kauf der französischen AGF-Gruppe sowie der Vermögensverwalter Pimco und Nicholas Applegate stieg die Allianz dann zum weltgrößten Versicherer mit mehreren Standbeinen auf.

Ähnlich zurückhaltend gibt sich der zweite Mann bei der Allianz, Paul Achleitner, 44. Seit der Österreicher im Herbst 1999 nach München kam, gilt er als der neue Architekt der Deutschland AG, der das Jahrzehnte alte Geflecht aus wechselseitigen Beteiligungen entwirren soll. Zuvor war der gelernte Betriebswirtschaftler Achleitner Investmentbanker bei Goldman Sachs.

Seinen Platz als zweitwichtigster Manager könnte ihm aber nun Bernd Fahrholz streitig machen, der seit einem Jahr die Dresdner Bank führt. Der 53-jährige kam nach dem Scheitern der Fusion mit der Deutschen Bank an die Spitze der Dresdner Bank. Schon wenig später nahm er Fusionsgespräche mit der Commerzbank auf, die allerdings Ende Juli 2000 am Streit über die Bewertung der beiden Banken platzten. Anfang Januar schloss die Dresdner Bank die Übernahme der US-Investmentbank Wasserstein Perella ab - der erste große Erfolg für den Konzernchef. Fahrholz arbeitet seit 1977 für die Dresdner Bank. Mit der Integration des Londoner Investmenthauses Kleinwort Benson in den Konzern übernahm Fahrholz 1997 zusätzlich Führungsaufgaben im Geschäftsbereich Investmentbanking. In den Vorstand war der gebürte Oldenburger im März 1998 aufgestiegen.

Vierter im Bunde der Allfinanz-Regisseure ist Hans-Jürgen Schinzler, Chef der Münchener Rück. Der 60-jährige führt das Unternehmen seit 1993 und hat es seither kräftig umgebaut. Sein wichtigstes Werk war die Bündelung der Erstversicherer Victoria, DKV, Hamburg-Mannheimer und DAS unter dem Dach der Ergo-Gruppe. Außerdem tätigte er Zukäufe in den USA und in Italien.

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