Wirtschaft : Übernahme der Dresdner Bank: Wasserstein vor dem Gang aufs Parkett

stk/ina

Mit der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz entsteht die Frage: Was geschieht mit dem Investmentbanking und dem Fondsgeschäft der Frankfurter Bank? In einem ersten Schritt sollen die Mitarbeiter von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW), der Investment-Bank der Dresdner Bank, ab Sommer am Kapital ihrer Bank beteiligt werden. Nach Informationen des Handelsblatts stehen Details noch nicht fest. Der Anteil der Mitarbeiter an dem Unternehmen soll aber "beachtlich" sein. Grund für diesen Schritt ist einerseits die Hoffnung, die besten Investment-Banker langfristig an die Firma zu binden. Andererseits soll für sie ein Anreiz geschaffen werden, die Wertschöpfung zusätzlich zu erhöhen und DKW für den geplanten Börsengang fit zu machen. Den Prozess zur Erlangung der rechtlichen Unabhängigkeit will das Management Anfang 2002 abschließen. Innerhalb von weiteren zwei Jahren ist dann der Börsengang geplant.

Die Struktur der Investment-Bank bleibt vorerst unberührt. Chief Executive bleibt Dresdner-Vorstand Leonard Fischer, Bruce Wasserstein sein Stellvertreter. Die DKW wird nach der Dresdner-Eingliederung in die Allianz-Gruppe unter der Dresdner Bank angesiedelt und nicht direkt unter der Allianz-Holding. Zunächst bleibt Frankfurt Hauptsitz. Während die Investment-Banker im vergangenen Jahr während der Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank in Massen die Flucht ergriffen, stoßen Headhunter in den DKW-Büros in der City in diesen Tagen bislang nicht auf nennenswertes Interesse, wie in der britischen Hauptstadt zu vernehmen war. "Wenn wir noch eine Woche mit dem Merger fortfahren, dann gibt es die Investment-Bank nicht mehr", soll Fischer damals im Vorstand gewarnt haben. Nach den Positionskämpfen im Zuge der Übernahme der US-M&A-Boutique Wasserstein Perella im Herbst 2000 scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Die Aussicht auf den Börsengang und damit die lange ersehnte Unabhängigkeit scheinen jetzt dafür zu sorgen, dass die Investment-Banker nicht schon wieder Abwanderungsgedanken hegen.

Ein wenig einfacher gestaltet sich die Eingliederung der Dresdner-Tochter Deutscher Investment Trust (DIT) in den Allianz-Konzern. Marke und Marktposition des Frankfurter Asset Managers, der vor allem für sein umfangreiches Fondsangebot bekannt ist, sind deutlich besser als jene der Allianz-Kapitalanlagegesellschaft. Es steht daher zu vermuten, dass das Asset Management auf Dauer unter dem Dach des DIT läuft. Joachim Mädler, derzeit Leiter des Asset Managements der Dresdner Bank, wird Stellvertreter von Joachim Faber, der die Vermögensverwaltung der Allianz leitet. Für Deutschlands Nummer neun und Nummer vier im Fondsgeschäft stellt sich die Frage der zukünftigen Ausrichtung. Die Allianz Kapitalanlagegesellschaft verwaltet über 5 Milliarden Euro an Publikums-Fondsvermögen. Obwohl sie schon Anfang der achtziger Jahre gegründet wurde, konnte sie das verwaltete Volumen nie signifikant steigern. Der DIT kommt auf 50 Milliarden Euro für Privatanleger. Die Spezialfonds mit einem Volumen von insgesamt 40 Milliarden Euro managt die zur DIT-Gruppe gehörige DBI. Der DIT mit seinen insgesamt über 130 Publikumsfonds ist stärker auf Aktienprodukte ausgerichtet, während die Allianz KAG mit über 20 Produkten eher rentenorientiert ist. Die Allianz stützt sich im Anleihesegment insbesondere auf die Expertise des weltgrößten Rentenmanagers Pimco Advisors, einer US-Investmentgesellschaft, die sie Ende 1999 erwarb. In der Produktbetrachtung scheinen sich beide Angebotspaletten eher zu ergänzen als zu überschneiden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben