Wirtschaft : Übernahme: Deutsche Bank listet ihre Aktien ab 3. Oktober an der Wall Street

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Die Deutsche Bank steht offenbar kurz vor dem Abschluss einer wichtigen, milliardenschweren Vereinbarung mit dem Schweizer Versicherungs- und Vermögensverwaltungskonzern Zurich Financial Services (ZFS). Das Geldhaus will den US-Vermögensverwalter Scudder von den Schweizern übernehmen und gleichzeitig die eigene Versicherungstochter Deutscher Herold in eine gemeinsame Beteiligung mit ZFS einbringen, zu der auch die deutsche Zürich-Agrippina Versicherungsgruppe gehören soll. Die finanziellen Details des Geschäftes müssen noch geklärt werden. Zugleich sickerte am Freitag in Frankfurt durch, dass die Aktie der Deutschen Bank am 3. Oktober erstmals an der Wall Street notiert werden soll. Der Börsengang in den USA ist seit längerem geplant.

Offiziell kommentierte die Bank gestern beide Vorgänge nicht. Allerdings war aus den Türmen aus der Frankfurter Taunusanlage zu hören, dass die Verhandlungen mit den Schweizern weit fortgeschritten sind. Dem Vernehmen nach geht es bei der Übernahme von Scudder um ein Geschäft in der Größenordnung zwischen 2,5 und drei Milliarden Dollar. Hinweise, dass sich das Geldhaus ganz aus dem Versicherungsgeschäft verabschiedet und den Deutschen Herold im Gegenzug an die ZFS verkauft, werden aus Finanzkreisen zurückgewiesen. Die Deutsche Bank werde sich schon allein wegen der Riester-Rente nicht aus dem Versicherungsgeschäft zurückziehen. Dies ergibt sich auch aus Äußerungen von Vorstandssprecher Rolf Breuer auf der Halbjahres-Pressekonferenz Anfang August. Damals lobte er den Deutschen Herold als "gut positioniert". Zugleich betonte er, dass eine Fusion der Deutschen Bank mit einem Versicherer nach dem Vorbild von Allianz und Dresdner Bank nicht infrage komme. Über Kooperationen in Teilbereichen könne man aber nachdenken. Dies trifft jetzt offenbar auf den Deutschen Herold zu, der durch ein Zusammengehen mit der Zürich-Gruppe seine Vertriebskraft erheblich stärken würde. Gleichzeitig würden neue Vertriebswege für andere Produkte der Deutschen Bank auftun. Aus dem Geschäft mit der privaten Altersvorsorge erwartet Breuer zwar bis 2005 keine Gewinne, danach allerdings biete die Riester-Rente großes Potential.

Mit Scudder könnte die Deutsche Bank und damit vor allem der von Breuer angeführte Bereich Privatkunden und Vermögensverwaltung (PCAM) das Vermögenswaltungsgeschäft in den USA deutlich ausbauen. Scudder managt ein Vermögen von rund 350 Milliarden Dollar. Bei der Deutschen Bank waren es Ende Juni nach Angaben von Finanzchef Clemens Börsig rund 750 Milliarden Euro. Zusammen mit Scudder würde die Deutsche Bank hinter der schweizerischen UBS zum weltweit zweitgrößten Vermögensverwalter aufsteigen. Eine Vereinbarung mit ZFS wäre vermutlich auch das Ende für die Gespräche Breuers mit der französischen Axa-Gruppe.

Währenddessen rückt der Börsengang der Deutschen Bank an die Wall Street näher. Die notwendigen Unterlagen hat die Bank bereits im Frühjahr an die US- Börsenaufsicht SEC eingereicht. Allerdings waren offenbar schwierige juristische Fragen zu klären, zumal die Deutsche Bank als erstes deutsches Kreditinstitut ihre Aktien an der größten Börse der Welt notieren lässt. Mit dem Okay der Behörde rechnet man in Frankfurt jetzt täglich. Der 3. Oktober gilt aber als sicherer Termin.

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