Wirtschaft : Übernahme-Gerücht: Commerzbank und Unicredito angeblich vor Fusion

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Die seit Wochen anhaltenden Spekulationen über eine Fusion der Commerzbank und des italienischen Geldhauses Unicredito haben neue Nahrung bekommen. Die Planungen zur Hochzeit des viertgrößten deutschen Bankhauses und der italienischen Nummer zwei seien "laut Insidern nahezu perfekt", schrieb die "Welt am Sonntag". Zuvor hatten auch das italienische Magazin "Il Mondo" und die britische "Financial Times" berichtet, beide Banken sprächen über eine Fusion. Laut der "Welt am Sonntag" soll die Transaktion spätestens am 10. September präsentiert werden. Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch lehnte am Wochenende eine Stellungnahme ab. "Wie üblich kommentieren wir Marktgerüchte nicht", sagte er.

Ein Unicredito-Vertreter sagte der Nachrichtenagentur Ansa: "Das Management hat ein solches Projekt niemals geprüft. Es gibt keine Entscheidung, weder eine positive noch eine negative auf Vorstands- wie auf Direktorenebene. "Der Sprecher der Aktionärsgruppe Cobra, Hansgeorg Hofmann, sagte dem Handelsblatt: "Wir haben nie mit Unicredito gesprochen. Uns liegt kein Angebot vor." Cobra hält 9,98 Prozent an der Commerzbank. Die sehr gute Eigenkapitalrendite der Italiener von 20,8 Prozent würde durch die Commerzbank (4,5 Prozent im ersten Halbjahr 2001) deutlich verwässert. Zudem ist die Commerzbank in Italien in ein Netz von Partnerschaften eingebunden: Per Überkreuzbeteiligung ist sie mit der größten Bank des Landes IntesaBci - , dem Versicherer Generali und dem Investmenthaus Mediobanca verbunden. Generali steht in scharfer Konkurrenz zur Allianz-Tochter RAS, aktueller Versicherungspartner des Unicredito. Nur Mediobanca, dessen größter Aktionär Unicredito mit zehn Prozent ist, könnte momentan Schnittstelle zwischen Unicredito und der Commerzbank sein. Sollte dieses Interessengeflecht neu geordnet werden, könnte mittelfristig ein Allfinanzkonzern unter Einschluss von Generali, Unicredito, Mediobanca und Commerzbank entstehen. Auf kurze Sicht scheint dies aber nicht realisierbar.

Die "Welt am Sonntag" spekulierte auch über Gespräche der Deutschen Bank mit der britischen Bank Barclays über eine Fusion unter Gleichen. Die Deutsche Bank kommentierte dies nicht. In Finanzkreisen gilt ein Zusammengehen als unwahrscheinlich.

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