Übernahme : Grünes Licht für Eon

Die EU-Kommission billigt die Übernahme-Offerte des deutschen Eon-Konzerns für den spanischen Energieversorger Endesa. Die EU-Wettbewerbshüter erwarten durch die Fusion keine marktbeherrschende Stellung.

Brüssel - Den Unternehmen werden für die Übernahme keine Auflagen gemacht. Der Übernahmekampf ist aber noch nicht entschieden, da die Regierung in Madrid weiterhin das Übernahmeangebot des heimischen Energiekonzerns Gas Natural unterstützt. Das Angebot des Düsseldorfer Energiegiganten Eon hat einen Wert von 29,1 Milliarden Euro.

Die EU-Behörde kam am Dienstag in Brüssel nach einer vierwöchigen Untersuchung zu der Einschätzung, es drohe keine beherrschende Stellung von Eon; das Unternehmen sei bisher gar nicht in Spanien tätig. Es gebe geringe Überschneidungen der Aktivitäten beider Konzerne in Frankreich, Deutschland, Italien und Polen.

Die Kommission setzt mit dieser Entscheidung auch eine politisches Signal: Sie will vermeiden, dass nationale Regierungen heimische Unternehmen gegen feindliche Übernahmen aus dem Ausland abschirmen.

Die sozialistische Regierung in Madrid lehnt das Angebot von Eon ab und favorisiert die niedrigere Offerte des heimischen Unternehmens Gas Natural. Damit soll der größte Stromversorger des Landes in spanischer Hand bleiben. Der Oberste Gerichtshof Spaniens hatte jedoch in der vergangenen Woche beschlossen, das im Februar von der Regierung genehmigte Übernahmeangebot zu stoppen.

EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy will wegen der Blockadepolitik gegen Eon rechtlich gegen Madrid vorgehen. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hatte in der vergangenen Woche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über den Fall gesprochen.

Mit einer umstrittenen Gesetzesänderung hatte die Regierung in Madrid die nationale Energiekommission CNE vor einem Monat ermächtigt, die Eon-Offerte zu prüfen. Bis dahin war die Behörde nur für Fusionen unter spanischen Energieunternehmen zuständig gewesen.

Die EU-Kommission kündigte an, sie wolle unabhängig von der Entscheidung die Strom- und Gasmärkte in Deutschland und Spanien weiterhin im Auge behalten. Bei der Wettbewerbs-Untersuchung habe es von Branchenteilnehmern Bedenken gegeben, dass diese Märkte nicht richtig funktionierten. «Diese Bedenken werden von der Kommission sehr ernst genommen.»

Die Kommission war gegen Deutschland und Spanien bereits rechtlich wegen mangelnder Öffnung der Energiemärkte vorgegangen. Schritte gegen einzelne Unternehmen wegen Ausnutzung einer beherrschenden Stellung könnten folgen, hieß es in Kommissionskreisen. Es drohen dabei hohe Bußgelder. (tso/dpa)

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