Übernahme : Henkel will ICI-Klebstoff

Der Henkel-Konzern steht bereit die Klebstoffsparten des britischen ICI-Konzerns zu kaufen. Der Chemie-Konzern wehrt sich jedoch bisher gegen die Übernahme durch Akzo Nobel und gibt sich kämpferisch.

Henkel Foto: ddp
Nicht nur Waschmittel: Henkel will die Marktführerschaft bei Klebstoffen ausbauen. -Foto: ddp

DüsseldorfHenkel ist für einen milliardenschweren Großeinkauf im Klebstoffgeschäft bereit. Falls es zur Übernahme des Chemiekonzerns ICI durch dessen Konkurrenten Akzo Nobel kommt, will Henkel die ICI-Geschäftsbereiche Klebstoffe und Electronic Materials erwerben. Dies stehe aber noch unter einer Reihe von Vorbehalten. So sei es noch offen, ob es zu einem formalen Angebot von Akzo Nobel und einer einer erfolgreichen Übernahme von ICI kommt. Die Geschäfte, auf die Henkel bereits ein Auge geworfen hat, erzielten 2006 umgerechnet 1,85 Milliarden Euro Umsatz. Damit wäre der Zukauf einer der größten in der mehr als 130-jährigen Unternehmensgeschichte von Henkel.

Mehrwert für Henkel-Aktionäre

Konzernchef Ulrich Lehner erklärte, dass sich aus der Übernahme deutliche Kostenvorteile für Henkel und erheblicher Wert für die Aktionäre ergeben würden. Ob es jedoch dazu kommt, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorauszusehen. Die Klebstoffe der ICI-Tochter National Starch seien bei Vliesstoffen und High-Tech-Sportschuhen besonders gut vertreten, während Henkel bei Klebstoffen für die Auto- und Luftfahrtbranche stark sei. Auch die ICI-Klebstoffe für medizinische Anwendungen seien interessant. Mit der Übernahme könnte Henkel die Geschäfte in Asien ausbauen und in Japan erstmals aktiv werden. Auch in Osteuropa und Lateinamerika würde man vorankommen.

Die Henkel-Vorstellungen stießen bei Aktionärsschützer auf ein positives Echo. "Das würde nach den bisherigen Informationen sehr gut passen", sagte DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher. Es stünden aber noch viele Wenn und Aber dahinter. Am Ende komme es auf den Preis an. Dazu machte Henkel zunächst aber keine Angaben.

ICI wehrt sich noch

Die bisher größte Übernahme in der Henkel-Geschichte war der US-Waschmittelhersteller Dial, der 2004 für umgerechnet 2,4 Milliarden Euro erworben wurde. Der Dial-Umsatz belief 2003 - im Jahr zuvor - auf gut 1,3 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr kaufte Henkel Deo-Marken von Procter & Gamble für 420 Millionen Dollar ein bei einem Jahresumsatz dieser Geschäfte von 275 Millionen Dollar. Henkel ist weltweit führend mit seinen Klebstoffen. Traditionsparte sind die Wasch- und Reinigungsmittel. Im Kosmetikgeschäft ist Henkel unter anderem mit der Haarpflegetochter Schwarzkopf aktiv. Der Henkel-Konzernumsatz belief sich 2006 auf 12,7 Milliarden Euro.

ICI lehnte indes eine 650 Pence je Aktie schwere Bar-Offerte ab. Zudem wollen die Briten Akzo keinen Einblick in die Geschäftsbücher gewähren. Die Prüfung der Bücher (Due Diligence) ist ICI zufolge eine der Vorbedingungen der Niederländer. Die Verhandlungen mit Akzo Nobel gingen aber weiter. Akzo erwägt nun weitere Optionen und versicherte für künftige Schritte "finanzielle Disziplin". (mit dpa)

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