Übernahme : H&M denkt um

Neues Konzept gut abgeschaut: Bisher hat der schwedische Modekonzern auf eigene Läden gesetzt. Weil das schwieriger wird, wechselt die Kette jetzt die Strategie.

André Anwar
h&m
1500 H&M-Läden gibt es bereits weltweit. In diesem Jahr soll die Zahl um weitere 15 Prozent steigen. -Foto: dpa

Stockholm - Es war eine Überraschung. Der schwedische Modeverkäufer Hennes & Mauritz (H&M) übernahm in der vergangenen Woche die Mehrheit des jungen schwedischen Kleiderunternehmens Fabric Scandinavian. Der Konzern legte für 60 Prozent der Aktien des kleinen heimischen Konkurrenten satte 564 Millionen Kronen (60 Millionen Euro) auf den Tisch. Das ist deutlich mehr als der für dieses Jahr erwartete Umsatz von 43 Millionen Euro von Fabric Scandinavian.

Damit übernimmt H&M zum ersten Mal in seiner Geschichte ein anderes Modeunternehmen – mit der Absicht, es weitgehend selbstständig fortzuführen und international auszubauen. Das ist ein Strategiewechsel, bislang setzte der Konzern mit Sitz in Stockholm auf die organische Expansion: Er beschränkte sich darauf, weltweit immer mehr eigene Geschäfte zu eröffnen. Aufkäufe hatten dagegen das Ziel, Konkurrenten auszuschalten und Zugang zu Geschäften mit guter Lage zu bekommen. Nach Aufkauf und Totalrenovierung kam dann stets das weltweit bekannte rote H&M-Markenzeichen über den Haupteingang.

Neben der Übernahme von Fabric Scandinavian gilt auch die vor fast genau einem Jahr gegründete, etwas luxuriösere Tochter COS als Indiz für den Strategiewechsel. Sie wird von H&M geführt, läuft aber unter eigener Identität.

Schwedische Branchenkenner sind der Auffassung, dass sich Konzernchef Rolf Eriksen an einem neuen Konzept orientiert. Und das hat er dem spanischen Erzrivalen Inditex abgeschaut. Der spanische Textilkonzern, nach GAP und H&M die Nummer drei auf dem Weltbekleidungsmarkt, betreibt erfolgreich Marken wie Zara, Lefties und Massimo Dutti nebeneinander. H&M-Chef Eriksen signalisierte denn auch weitere Übernahmen. „Weitere Aufkäufe sind möglich, es müssen aber nicht unbedingt schwedische Firmen sein“, sagte er der schwedischen Wirtschaftszeitung „Dagens Industri“.

Gleichzeitig setzt der Konzern seine Neueröffnungen der klassischen H&M-Läden fort. Eine gewisse Sättigung ist aber gerade in Kernmärkten wie Deutschland auszumachen. Weltweit hat H&M bereits rund 1500 Geschäfte eröffnet. Auch in diesem Jahr will der Bekleidungskonzern die Zahl der Läden um bis zu 15 Prozent steigern. Mit neuen Marken wie Fabric Scandinavian falle das leichter, räumt der H&M-Konzernchef gegenüber „Dagens Industri“ ein.

Fabric Scandinavian ist trotz internationalen Erfolgs im Vergleich zu H&M nur ein kleines Unternehmen. Es wird zu Beginn nur für rund ein halbes Prozent des H&M-Gesamtumsatzes stehen. Dieser betrug 2006 insgesamt 8,8 Milliarden Euro. Fabric solle H&M Zugang zu kleineren, aber sehr trendprägenden Zielgruppen eröffnen, erwarten Branchenkenner. Die Fabric-Läden „Weekdays“ haben ein ähnliches Konzept wie H&M: Designerware zum richtigen Zeitpunkt so preiswert wie möglich anzubieten. Der Unterschied liegt im Ruf und im Marketing: Das Design hat den Ruf, avantgardistisch zu sein. Außer Mund-zu-Mund-Propaganda machen auch Auftritte von Musikgruppen und die richtige Wahl der Geschäftslage auf das Unternehmen aufmerksam. In nur wenigen Jahren wurde Fabric von einem kleinen Laden in einem Stockholmer Vorort ganz ohne klassische Werbung zu einem internationalen Geheimtipp für Trendsetter vor allem aus der Musik- und Modeszene.

Fabric-Gründer und Chefdesigner Örjan Andersson war lange nur ein einfacher Ladenverkäufer in großen, unpersönlichen Ketten. Der Durchbruch gelang ihm mit einer preiswerten, aber sehr teuer aussehenden Jeans. Ihr Name: „Cheap Monday“. Für Andersson hat es sich ausgezahlt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben