Übernahme : Hypo Real Estate will Depfa schlucken

Die Bank Hypo Real Estate will mit der Übernahme der Depfa Bank zu einem der größten Bankhäuser Deutschlands werden. Der Kauf soll 5,7 Milliarden Euro kosten. Es handle sich um eine freundliche Übernahme, die der Zahl der Mitarbeiter soll stabil bleiben.

München Die im Dax notierte Hypo Real Estate will durch die milliardenschwere Übernahme der Depfa Bank zu einer der größten Banken in Deutschland aufsteigen. "Die strategische Logik der beiden Häuser ist überzeugend, sie liegt geradezu auf der Hand", sagte der Vorstandschef der Hypo Real Estate, Georg Funke, in München. Die ehemalige HypoVereinsbank-Tochter will 5,7 Milliarden Euro für die Depfa Bank zahlen und erhofft sich von der Übernahme den globalen Zugang zum lukrativen Geschäft mit Finanzierungen für die öffentliche Hand. Beide Seiten betonten, es handele sich um eine freundliche Übernahme, die von den Führungsgremien beider Banken unterstützt werde.

Angesichts der Verlagerung der Geschäftsaktivitäten will der Konzern auch seinen Namen ändern, der zurzeit den Focus auf das Immobiliengeschäft (Real Estate) richtet. "Es muss ein Name sein, der wirklich Sinn macht", sagte Funke. Neben gewerblichen Immobilien wie Bürogebäuden oder Hotels will die Hypo Real Estate zunehmend auch Infrastrukturprojekte wie Straßen oder Brücken finanzieren. Auch Krankenhäuser, Eisenbahnen oder Flugzeuge hatte Funke vor wenigen Monaten als Beispiele für mögliche Engagements genannt. Dabei dürfte dem Unternehmen die Übernahme der Depfa Bank mit Sitz in Irland zu Gute kommen. Sie ist nach eigenen Angaben die einzige Bank weltweit, deren Angebot sich ausschließlich an die öffentliche Hand richtet. Hypo Real Estate will den Depfa-Aktionären 16,14 Euro je Aktie zahlen, das entspricht einem Aufpreis von rund 17 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag.

Zahl der Mitarbeiter soll stabil bleiben

Bezahlt werden soll bar und in eigenen Aktien. Der Vereinbarung zwischen beiden Banken müssen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung voraussichtlich im September 75 Prozent der Depfa-Aktionäre zustimmen. Depfa-Chef Gerhard Bruckermann zeigte sich zuversichtlich. "Es ist eine Transaktion, in der es nur Gewinner gibt", sagte er. Mit einem höheren Gegenangebot von einer anderen Bank rechnet er nicht. Ein Stellenabbau nach der Übernahme ist nach Worten von Funke nicht geplant. Die Zahl der Mitarbeiter beider Häuser solle nach der Transaktion zunächst bei derzeit rund 2000 stabil bleiben und langfristig entsprechend dem Wachstum steigen.

Von dem Zusammenschluss erhofft sich die Hypo Real Estate aber auch ohne Stellenabbau deutliche Kosteneinsparungen von mindestens 60 Millionen Euro pro Jahr. An der Börse löste die Nachricht gemischte Reaktionen aus. Depfa-Papiere legten am Vormittag um 13,12 Prozent auf 15,61 Euro zu, blieben damit aber hinter dem rechnerischen Wert des Angebots zurück. Hypo Real Estate Papiere gaben dagegen um 4,74 Prozent auf 46,84 Euro nach. Die Kosten für die Integration der Depfa bezifferte die Hypo Real Estate mit rund 160 Millionen Euro. Diese würden sich zum Großteil noch in diesem Jahr auf das Ergebnis auswirken. Eine neue Gewinnprognose für 2007 gab das Unternehmen aber nicht ab. Im ersten Halbjahr steigerte die Hypo Real Estate den Gewinn nach Steuern um 28 Prozent auf 267 Millionen Euro. Bei der Depfa ging der Überschuss im zweiten Quartal hingegen von 140 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 126 Millionen Euro zurück. (mit dpa)

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