Wirtschaft : Übernahme in Amerika bringt Merck voran

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern kündigt für 2011 Wachstum um bis zu 18 Prozent an

Maike Telgheder (HB)
Starke Chemie. Foto: dpa
Starke Chemie.Foto: dpa

Darmstadt - Der Kauf des US-Laborausrüsters Millipore und ein zweistellig wachsendes Chemiegeschäft geben dem Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA derzeit Auftrieb. Nach einem „starken Jahr 2010“ erwartet Konzernchef Karl-Ludwig Kley in diesem Jahr eine Fortsetzung der guten Entwicklung – nicht zuletzt weil die Mitte 2010 für mehr als fünf Milliarden Euro gekaufte Millipore im laufenden Jahr erstmals komplett in die Bilanz einbezogen wird.

Für 2011 rechnet der Konzern mit einem Wachstum zwischen 13 und 18 Prozent und mit einem Anstieg des operativen Ergebnisses zwischen 35 und 40 Prozent. Dieser Ausblick und ein viertes Quartal, das besser lief, als von Analysten erwartet, ließen die Aktie kräftig steigen. Der Kurs hatte monatelang gelitten, nachdem im September ein Ausschuss der europäischen Zulassungsbehörde EMA keine Empfehlung für den Merck-Hoffnungsträger, die Multiple-Sklerose-Tablette Cladribin, gegeben hatte.

Anfang kommender Woche entscheidet nun die amerikanische Zulassungsbehörde FDA. Während viele Analysten nicht mehr mit einer Zulassung rechnen, hat Merck sie erst einmal in die Prognose einbezogen. Kommt die US-Zulassung für Cladribin nicht, entgehen Merck Schätzungen zufolge allein in diesem Jahr mindestens 200 Millionen Euro Umsatz. Statt der jetzt erwarteten fünf bis zehn Prozent wird der größte Geschäftsbereich, die Pharmasparte Merck Serono, nur noch um ein bis fünf Prozent zulegen, so der Ausblick von Kley. Sie trägt mehr als 60 Prozent zum Umsatz der Darmstädter bei.

Für den Umsatzsprung um 20 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro sorgten vor allem der Millipore-Zukauf, der 8,4 Prozent des Zuwachses trug. Unter dem Strich erhöhte sich das Ergebnis um 73 Prozent auf 632 Millionen Euro. Das Geschäft mit frei verkäuflichen Arzneimitteln wie Nasivin und Folsäure will Merck entgegen anders lautender Berichte nicht verkaufen. „Das ist ein interessantes Geschäft mit hohen Margen“, sagte Kley. Merck will das Geschäft nun global weiterentwickeln – unter anderem mithilfe von Partnerschaften. Maike Telgheder (HB)

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